Als Gregor eines Samstagmorgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem blechernen, harten Rücken und sah, wenn er die Frontstoßstange ein wenig hob, sein flaches, schutzlackiertes, von kreuzförmigen Versteifungen geteiltes Fahrgestell, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vier, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen, Reifen flimmerten ihm hilflos vor Augen.
„Was ist mit mir geschehen?“, dachte er. Er überlegte weiterzuschlafen und alle Narreteien zu vergessen. Aber das war gänzlich undurchführbar, denn er war gewöhnt, auf der rechten Seite zu schlafen, konnte sich aber in seinem gegenwärtigen Zustand nicht in diese Lage bringen. Mit welcher Kraft er sich auch auf die rechte Seite warf, immer wieder schaukelte er in die Rückenlage zurück. Er versuchte es wohl hundertmal, schloss die Augen, um die durchdrehenden Räder nicht sehen zu müssen, ließ dann aber davon ab, nachdem sein Kotflügel ob der harten Wand schon verbeult war.
So starb er nach langem Todeskampf mit leerem Tank, und wurde erst 30 Jahre später von einem Ingenieur eines Wolfsburger Automobilherstellers gefunden, der mit der Konstruktion von Gregors metallernem Exoskelett einen durchschlagenden Welterfolgt feierte. Und so lief er, und lief, und lief, und lief.
Weitere 60 Jahre später wurde, ganz unabhängig davon, ein Blogschreiber für die Verbreitung unzumutbaren Nonsenses mit Schreibverbot bestraft.


September 5th, 2009 at 18:25
Gute Kurzgeschichte. Jetzt verstehe ich auch, warum der Mann ein fast zwischenmenschliches Verhältnis zu seinem Auto entwickelt hat.
kann die Metamorphose reversible sein??