• Heiner, 19 Dez 2009 /  Landshut, Lange Denkt, Multimedia, München, PauL

    Es ist Samstagmorgen, und ich liege im Bett. Nicht, dass ich krank wäre. Aber ich habe keine Lust aufzustehen. Die Küche riecht unangenehm, mein Zimmer ist warm, und der Computer spielt wahlweise Tracks von Ludwig Bergers “Ludwig singt” oder interessante Songs der Nullerjahre über den brüderlichen Napsteraccount. Zeit, ein wenig auf die letzte Woche zurückzublicken.

    Freitag, Regensburg

    PauL trifft sich mittags in Regensburg und textet an den “Zärtlichen Poeten”, Neufassung. Die Rollen des Produktions-, des Konzept- und des Formfetischisten sind klar verteilt und es funkt. Weniger funken tut es Abends in Mälze beim Slam. PauL versucht sich mal wieder an “Disco”, ich vergesse ein Viertel des sehr modularen Textes, und ein Newbie mit boarischem Dexd zieht vor uns ins Finale. Ich wette, davon unabhängig, mit Alex Willrich, ob Psychologie oder Pädagogik, und gewinne. Glaube ich.

    Samstag, Salzburg

    Weiterschreiben, Tabellenversion erstellen. In den Zug nach Salzburg steigen. Rumhängen, Grillteller und Schnitzel essen, unverhofft als PauL auftreten dürfen. Wiederum läuft uns ein Local (ok, eigentlich kommt Didi Sommer aus Linz, aber ich zähle ihn als Austrolocal) den Rang ab. Die mitreisende Engländerin Kate Tempest und noch ein Localmadl gehen auch ins Finale, wo auf einen recht dubiosen Doppelsieg Didi/Kate entschieden wird. Das Publikum betrachtend kratzt sich PauL am Kopf.

    Sonntag, München

    “Zärtliche Poeten” ist vollendet. Das Substanz ruft. Und wiederum hat ein Einzelstarter die Publikumssympathienase vorne, diesmal Herr Ruppel aus Marburg. Es scheint nicht gut zu sein, als deutsche Meister angekündigt zu werden. Da erwartet dann das Publikum von PauL genau das, was es bekommt, und der Überraschungseffekt ist dahin. Wobei das Fehlen des Überraschungseffekts für mich auch nicht überraschend war.

    Montag, München

    Das Vereinsheim hat jetzt Burger. Quarterpounder – Royal with Cheese – Vereinsheimburger. So geht die Reihe. Wir sind bei Blickpunkt Spot zu Gast und dürfen die ganze zweite Hälfte bestreiten. Macht Spaß und Hunger auf Donnerstag. Nach dem Aufritt bekomme ich dank des Physikertextes eine Halbanfrage für einen Auftritt bei einer “Nerdnight”, einen Tipp zur “Cloud Appreciation Society” und eine Phonologin analysiert korrekt die Herkunft meiner Eltern.

    Dienstag

    Poesiefrei.

    Mittwoch

    Um zwei Uhr ruft Pauline an: Tobi ist krank. Shit. Nix mit Großraumdichten heute Abend in Landshut, worauf ich Monate hingearbeitet hatte. Was tun? Wir beschließen, den Abend nicht platzen zu lassen, Pauline und Ludwig stellen ein Zweierprogramm auf die Beine. Sobald ich mit Sam in Landshut ankomme, läuft alles wie am Schnürchen. Die geliehene Anlange klingt super, das kleine Theater hat noch ein 12V-Netzteil für Ludwig, und das Foyer ist um acht Uhr so bummvoll wie nie zuvor. Als die zwei mit “Zauberspruch für Verwundete” beginnen, stellen sich nicht nur meine Nacken- und Armhaare auf. Wurde noch ein sehr schöner Abend. Und Ludwigs Projekt “ludwig singt” taugt mir.

    Donnerstag

    Ich komme aus Landshut zurück und meine Küche stinkt. Nasenscheinlich hat jemand eine Pizza gemacht, mit Öl übergossen, angezündet und in den Ofen gelegt. Bumillo und Scharri kommen, wir schreiben die Setlist fürs Vereinsheim, und los gehts zu Wicked.

    Und ab dann läuft wiederum alles wie am Schnürchen. Aufbau, Soundcheck, Videogag mit Standbild, Vereinsheimburger, gut 130 Leute im bummvollen Vereinsheim, kochender Laden, und nach der PauL-Show: Glückliche Gesichter allerorten. Wer dabei war, darf nun von sich behaupten: “Ich bin PauL”.

    Freitag

    Auf der Meteorologen-Weihnachtsfeier lese ich meine physikbezogenen Texte. Endlich versteht mal jemand die Insidergags. Mein Prof sagt, er freue sich auf meine Abschlussprüfung. Ich fürchte, jetzt habe ich was angestoßen.

  • Heiner, 11 Dez 2009 /  PauL, Publicity
    • Heute: Regensburg, Mälze
    • Morgen: Salzburg, ARGE
    • Sonntag: München, Substanz
    • Montag: München, Vereinsheim
    • (Mittwoch: Landshut, Großraumdichten im kleinen theater, betrifft aber nur mich)
    • Donnerstag: PauL im Vereinsheim

    Gehts noch?

  • Heiner, 04 Dez 2009 /  Bilder, Lange Denkt, PauL

    Als wir im Juli in der Mensa in Passau mit PauL auftraten, gab man uns den heißen Tipp, uns doch beim Scharfrichterbeil zu bewerben. Ein Kabarettpreis. Hui? Wir machten das. Und bekamen dann nach dem Düsseldorfer Wochenende den Anruf: Wir sind dabei. Als einer der 6 Acts aus ca 90 Bewerbungen. Krass.

    Drei Flüsseeck, drei PauLs, zwei im Bild.

    Drei Flüsseeck, drei PauLs, zwei im Bild.

    Der Abend

    6 Bewerber. Nachmittags im Backstage kommt es zu lustigen Unterhaltungen. “Also, da spielen wir ja quasi gegeneinander, das ist doch sehr merkwürdig!” – PauL feixt. Die Veranstaltung beginnt ordentlich unpünktlich, aber das ist man ja gewohnt. Blöd nur: PauL sind als Letzte dran. Ob da die Leute noch zuhören können, den Umstand bedenkend, dass wir vermutlich dreimal mehr Wörter pro Zeit raushauen als die anderen Auftretenden?

    Backstage. Künstler.

    Backstage. Künstler.

    Eine Einschätzung des Publikums ist während des Warten auch nicht wirklich möglich, da der Raum zu klein ist, um zusehen zu können. Allein durch das Fenster zur Straße kann man einen Blick erhaschen und durch ein Loch zwischen Fenster und Putz auch mal ein Wort aufschnappen.

    Blick durchs Fenster. ANdres bleib nicht übrig.

    Blick durchs Fenster. Andres bleib nicht übrig.

    So beobachtete ich zum Beispiel Axel Pätz aus Hamburg. Der eröffnete und war, optisch, stark. Auch beobachtete ich Ulan & Bator. Die zwei, die gehen durch die Decke. Backstage bereits zwei äußerst erstaunliche Kerle, sind sie auf der Bühne nicht zu halten. Krass.

    Irgendwann durfte dann PauL dran. Der Abschiedsapplaus für den Bewerber vor uns war, durch die sich öffnende Tür hörend, nicht allzu euphorisch. Und dann wir auf der Bühne. Mit unserem Zeug. Mit Wortsalven und Reimkaskaden, und das alles für ein Publikum, das um halb zwölf (nach 5 Auftritten) eh schon recht erschöpft war und zudem vermutlich keine Ahnung hatte, wie es uns einordnen sollte. Und was soll ich sagen… wir haben gekämpft. Wortfaust gegen Betonmauer. Hier und da ein kleines Bröckelchen herausgehauen, gelegentlich mal kurz ein Staubwölkchen, aber ein Riss in der Mauer war nicht zu erahnen. Man kann und darf es so sagen: So wenig direkte Publikumsresonanz hatten wir noch nie, nirgendwo.

    Die Szene, wie wir danach zu dritt im Hintergewölbe mit unserem Weißbier saßen und uns Weißbier trinkend der Ernüchterung hingaben, werde ich so schnell nicht vergessen.

    Preisverleihung: Nein, da war alle Hoffnung bereits weg. Die Möglichkeit, dass uns die Jury vielleicht doch noch auf Platz drei heben könnte, bestand zwar diffus, war aber nicht zu erhoffen. Naja, und dann standen alle auf der Bühne und Ludwig Müller ließ für drei Leute klatschen, die nach diesem Applaus kein Beil bekamen. HÄ? PauL ein Beil? JA! Tatsächlich. PauL holte sich den dritten Platz beim Passauer Scharfrichterbeil! Der zweite Platz ging an Maxi Schafroth, der erste, höchstverdient, an Ulan & Bator.

    Krass. Selten habe ich mir so die Augen gerieben. Der Abstand zwischen unmittelbarer Publikumsreaktion und Juryentscheidung hätte größer fast nicht sein können. Und für uns, die wir IMMER für das Publikum arbeiten, war das sehr verwirrend. Ein Jurymitglied ging danach noch auf uns zu und erläuterte uns die Entscheidung. Und diese Erläuterung, die hat ganz schön aufgebaut. Huiuiui. Richtig wahrgenommen haben wir das dann auch erst am Morgen danach.

    (Nachtrag: Das sagt der bayerische Rundfunk.)

    (Nachtrag 2: Hier gibts Bilder)

    PauL, mit Scharfrichterbeilchen.

    PauL, mit Scharfrichterbeilchen.