Düsseldorf, 30. Oktober 2009, best (slam-)day ever.
Halbfinale 1
Und es war vor allem eine Spirit-Frage: Alles ausblenden was mit “Losglück”, “Startplätzen”, “Jurynoten” etc. zu tun hat und sich nur auf sich, seine Atmung, seinen Körper, seine Wasserflasche und SEINEN TEXT konzentrieren. Das ist sauschwer, aber Scharri und ich haben uns gemeinsam aufgewärmt, uns Mut und stark gemacht. Scharri auf Startplatz 6, ich gleich danach auf der 7. Wir wissen, das so eine gute Chance ein National-Finale zu erreichen so schnell nicht wieder kommen wird. Scharri übernimmt die Führung und steht damit bereits im Finale. Now or never. Rauf auf die Bühne. “Jammersession / Vom Jammern und Jammen”. Im kleinen Haus des Schauspielhauses Düsseldorf kommt einfach keine richtige Feuer-Slam-Stimmung auf, aber ich lasse mich von fehlenden Reaktionen an gewöhnlich reaktionsstarken Textstellen nicht aus dem Vollgas bringen und rocke den Text solide und gut aber ohne große Sternstunden zu Ende. Bin sehr auf die Jurynoten gespannt, in dieser eher kühlen Atmo hat man wenig Gespür für “7 wildfremde Menschen, die ein Jurynote hochhalten” (Def. National Slam). Ziehe an Scharri vorbei, wir sind beide im Finale, ich krümme mich in Embryostellung auf dem Boden. Oh Mann. Wow, was für Tage, was für Momente. Wieder 6 Stunden Bergsteigen in 6 Minuten Slam-Performance gesteckt – völlig fertig, aber innerlich glücklich am Gipfelkreuz hängend.
Und sofort gehts weiter; den Fokus, die Spannung und die Energie aufs Team-Finale richten:
Team-Finale
Mit Heiner und Scharri nach der Auslosung (Startplatz 3, hmmm …) nochmal raus auf den Parkplatz vorm zakk und proben. Unser einziger Wunsch für den National war ja gewesen: den Banker-Text im Finale machen zu dürfen. Und der würde sich in wenigen Minuten erfüllen. Wenn im Einzel was rausspringt, schön, aber wichtig: Banker-Text im Finale. Team. Yes. PauL. Wir kommen ins Stechen – oder auch nicht. Völliger Fokus auf unseren Text. Wird das geil. Oh! Alles ausblenden was mit den anderen Teams, Startplätzen und Jurynoten zu tun hat. Wir und Unser Text.
SMAAT und Lesedüne vor uns, dann PauL auf drei. 900 stehende Leute in der ausverkauften zakk-Halle. 7 Minuten für die Ewigkeit. Die 7 besten Minuten meines (Bühnen-)Lebens. 7 Minuten lang gibt jeder von uns drei in jeder Sekunde 150%. Es war unfassbar. Wir hatten jeden einzelnen im Saal an den Eiern bzw. an den Nippeln. Gehen von der Bühne und flippen aus, schreien, jubeln, sind so glücklich, dass alles überschäumt. Für diese 7 Minuten hat sich alles gelohnt, jede Skype-Session, jedes Treffen, jede Probe, alles. Unvorstellbar geil. Die Zuschauer und Slammer in Mark und Bein erschüttert. Hohe Noten. Aber es kommen noch viele geile Teams, ein Einziehen ins Dreier-Stechen ist alles andere als sicher. Aber scheiß drauf: Nach diesen 7 Minuten war alles andere egal.
Es reicht fürs Stechen und wir haben saumäßiges Glück: wir werden wieder auf 3 gelost – und dürfen den Abend also beschließen. k.u.k legen los, Team Tübingen brilliert mit der “Slamphonie” und holt 49/50 Punkten. Ich liebe Team Tübingen, liebe Harry und Jakob, und gehe als stolzer aber konzentriert-entschlossener Vize-Meister mit Scharri und Heiner auf die Bühne. Machen “Alleinsein”. Ein paar Holprigkeiten in der ersten Hälfte, aber wir fighten bis wir schleißlich rocken und … k.o. Alles gegeben. Die drei Stech-Teams werden von den genialen MCs Richi und Etrit auf die Bühne geholt. Da stehen wir also. Jurynoten bitte jetzt. Die Noten gehen hoch, innerhalb weniger Sekundenbruchteile denke ich “Oh Gott, ich glaub es reicht”, erschrecke richtig und drehe mich mit den Händen vorm Gesicht zu Scharri. Mit jeder verkündeten Note schreit Scharri lauter und ich sinke tiefer in seine Rippen hinein. Während der vorletzten Note und einem lauten Scharri-Schrei blinzle ich nach links oben auf die Gesamtnote von PauL, sehe die 49.4 und ————-
Breche in Tränen aus, sehe nix mehr, höre Schreie, Applaus, die Konfetti-Kanone, den allgemeinen Wahnsinn. Spüre den Sieger-Kranz an meinen linken Rippen, spüre, wie mich jemand drückt, sehe Konfetti-Streifen am Boden. Löse mich in totaler Erschöpfung, totalem Glück und völliger Überforderung auf und tropfe auf den zakk-Boden. Hangle mich mit feuchten Augen von Umarmung zu Umarmung, von strahlenden Glückwunsch-Gesichtern zu sich freuenden Slam-Freunden, hab aber keine Ahnung, wer oder wo ich bin und was gerade passiert (ist). Überwältigend. Fantastisch. Deutscher Meister. Für immer.
Es war wirklich bemerkenswert, wie sehr sich alle für und mit uns gefreut haben. Alle Komplimente und Glückwünsche sind in unseren Herzen nachzulesen, nicht auf Blogs
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Den Abend noch locker ausklingen lassen. Versuchen, die Momente festzuhalten, versuchen, runterzukommen – aber sauschwer. (bu)