• Heiner, 27 Nov 2008 /  Bilder, Landshut

    Mich (Lange) beschleicht das ungute Gefühl, dass Bumillo meinen Blog vollkommen gekidnappt hat. 10 Kommentare auf einen Beitrag! Das hatte ich noch nie! Und ebenso wenig habe ich aktuell die Zeit für differenzierte Nachbetrachtungen zu Zürich. Das Alltagsgeschäft (Studieren, Slambiz, Leben) schlägt voll ein.

    Wo viele Leute eine slamfreie Woche nach Zürich feiern, schrie mir mein Kalender nach dem Workshop am Montag ein “LANDSHUT MITTWOCH!” ins Gesicht. Nun, gerne. Hatte ich doch vor ein paar Wochen den Coup gelandet, US-Champion und Slam-Weltmeister Danny Sherrard als featured Poet begrüßen zu dürfen. Dankbarerweise vermittelt durch seinen Kurzzeitmanager und deutschsprachigen Champion Sebastian 23. Das ist doch mal ne Kombi!

    Im kleinen theater durften wir dieses Mal den großen Saal anstatt des Foyers benutzen, und das war toll. Wesentlich bessere Show-Athmosphäre. Leider beginnt in Landshut zur Zeit wieder das offene-Liste-Gähnen, manifestiert in lediglich drei Landshuter Dichtern. Dabei hatte ich doch extra in die Ankündigung geschrieben, dass Danny außerhalb des Wettbewerbs antrete… schade. So war auch nicht an Wettbewerb zu denken. Sebastian Schönfeld, Sebastian Stopfer und An Laphan bekamen einfach jeweils zwei Auftritte. Am besten gefiel mir dabei Sebastian Stopfers neuer Text “Erwachsen werden”, woran ich zu erkennen meinte, dass Zürich für die beiden doch Einiges an Inspiration bereit gehalten hat.

    Danny tat mir den Gefallen und brachte sein Thanksgiving-Poem, das er letztens in der Schauburg präsentiert hatte, noch einmal. Da knisterte die Luft, selten bekam ich nach der Show derart viele Kommentare, wie gut der featured Artist gewesen sei.

    Zurück in München stolperte ich mit dem schwer verliebten Danny (“for the sake of love, please send her an sms”) und meinem Mitbewohner noch ein wenig durch die Stadt. Heute habe ich Kopfweh.

    Bildergalerie Landshut 26.11.08

  • Bumillo, 25 Nov 2008 /  Slam 2008

    Gesundheitlich angeknockt und immer wieder “Chinese Democracy” hörend (dabei stoppe ich mit meiner Stoppuhr die Länge der Songs, um zu überprüfen, ob sie tatsächlich so lange dauern wie angegeben ;-) ) lassen mich folgende Themen, Thesen und Eindrücke vom Slam 08 einfach nicht los:

    • Poetry & Niveau im Einzelwettbewerb
    • Team!
    • Boutmanagement
    • Glück ist machbar
    • Zukunft Slam

    Mehr dazu demnächst, das Zuschreibende will wohl überlegt sein. Bis dahin, wie versprochen, meine Top 5 der SLAM08-Texte, die ich mitbekommen habe:

    5.  SMAAT mit einer Performance über Performance im Team-Finale: abgedreht, crazy, kreativ – und der originellste Metatext des Festivals (“Schulbusfahrer!”). SMAAT ist allen anderen einfach immer einen Schritt voraus, wie ich Jan Koch eindeutig beipflichten muss.

    4.  Sebastian 23 mit “Warum eine Stadt in der Schweiz die Antwort auf ein Lebensgefühl ist”. Fand ich in der Vorrunde noch billig und fad, aber im Finale hats mich echt geflasht. “Churrrrr” ist jetzt schon Kult, die Performance ist abwechslungsreich, originell und der Text hat auch noch eine Aussage! Mit der “Churrrr”-Kettensäge zerlegt 23 doch glatt Gabriels Bücherregal – sehr schönes Bild!

    3. Lesedüne mit ihrem Teamfinal-Text “Es ist ein bequemes System”: Der Ohrwurm schlechthin, perfekt präzise vorgetragen, Hammer! Der Text passt auf eine halbe DINA4-Seite – genial.

    2. Gabriel Vetter mit “Kein Mensch ist ein Regal”: Der Text, der mich an diesen vier Tagen am meisten geflasht hat! Gabriel ist einfach ein Jahrhunderttalent. “Shelf-Esteem” – geniales Wortspiel! Für mich der beste Text im Einzelwettbewerb!

    1. Team Tübingen mit ihrem Zahlentext in der Teamvorrunde 2: Unglaublich gut. Geniale Idee, perfekt umgesetzt. Vor Freude explodieren Blumen in meinem Körper. Wahnsinn. So gut. Soooo SAUGUT! Unvergesslich! Hut ab, Chapeau, Heureka, Bravo, Kniefall, Glückwunsch – BINGO!

    Des Weiteren bleiben mir in Erinnerung Harry Kienzlers Bar-Text, Renato Kaisers Halbfinaltext, Jakob Nackens “Frauenkopf-auf-Schulter”-Text und zwei Klassiker unter den Slam-Texten: Gauners “Meine sehr verkehrten Darm-Internen” und Frank Klötgens “Hinten im Korn”.

    Been there, heard that.

  • Bumillo, 24 Nov 2008 /  Slam 2008

    Also: der National Slam 2008 in Zürich begann am Mittwoch, den 19.11.2008 um 20.00 Uhr und war am Mittwoch, den 19.11.2008 um 20:05 für mich schon wieder beendet, da 4-faches Pech (1. Startplatz, 2. Jury, 3. Harte Gruppe, 4. Harte Gruppen mit vielen starken Schweizern) mich rausgelost- und schmissen hatte (objektiver Bericht über meine Runde auf lars.blog.de). Danach 46 Stunden richtig schlecht drauf. Da hilft auch der geballte Trost der anderen nichts. Hadere mit meinem Schicksal, bin angekotzt, schlendere mit gebrochenem Kreuz durch den Schiffbau, kann nachts kaum schlafen und möchte am liebsten sofort mit Poetry und Slam aufhören. Während dieser 46 Stunden ziehe ich mir viele toppe Gespräche mit Slam-Kollegen und Slam-Freunden rein, welche mich sehr aufmuntern, und viele Slam-Veranstaltungen, die mich wieder brutal auf den Boden schmettern, da das Niveau nicht sehr hoch ist und manche Leute mit mauen Texten ins Halbfinale einziehen. Es ärgert mich, so schlecht drauf zu sein und alles so angepisst wahrzunehmen, und das steigert meine schlechte Laune noch zusätzlich. Das ein oder andere Lächeln bricht dennoch durch die Wolken.

    Freitag, 20. November 2008:

    Gegen 13.00 Uhr Ortszeit trifft meine kleine feine Theatergruppe nach 5 Stunden Autofahrt im regnerischen Zürich ein, wir bauen im Moods Club kurzerhand unser Bühnenbild auf, die wunderbar-hilfsbereiten Techniker Christian und Jean-Claude unterstützen uns perfekt, und während der Vorstellung von “ALLES GEHT. Ein Poetry-Drama” füllt sich der Club doch ganz ordentlich, cool. Da ich einen verhinderten Schauspieler ersetzen und erstmals selbst mitspielen muss, gerät die ein oder andere Szene zur Textverhaspel-Show, insgesamt kämpfen wir uns aber gut durchs Stück und liefern eine ordentliche Leistung ab (die uns noch mehr zusammenschweißt), den Drive von den Uraufführungen im Münchner Mai erreichen wir jedoch nicht. Den Leuten gefällts dennoch, Scharri, Harry, Wolf und andere findens top, manche erfreuen mich sogar mit ausgefeilten Plus- und Minus-Kritiken. Ich bin indes nur froh, dass das Stück jetzt abgespielt und das Experiment, Slam auf Theater treffen zu lassen, gelungen ist.

    Danach Essen mit dem Ensemble und gemeinsam das Halbfinale 1 und das Team-Finale in der Halle 1 kucken. Während des 1. Halbfinals enden die 46 Depri-Stunden, der ganze Frust fällt ab und weicht einer gut gelaunten, leidenschaftlich-mitfiebernden Slam-Stimmung. Schön wieder der Alte zu sein. Es tut mir in der Seele weh, Gauner und Renato arschknapp scheitern zu sehen, was für ein dramatisches, teils hochklassiges Halbfinale! Wow, endlich geflasht! Im Anschluss dann noch das Team-Finale: trotz der sauvielen Metatexte – im Teamwettbewerb läuft momentan der Hase! (Morgen mehr zum Thema!) Da gehts richtig geil zur Sache, da sprühen die Funken und HIER SPIELT DIE MUSIK! LSD holen den Titel, vielen hättens der tollen Lesedüne gegönnt, aber wenn Slam in diesen Tagen eins NICHT ist, dann ein Wunschkonzert. Exzellente Stimmung danach in der wunderbaren Poetry Lounge und bei Karaoke from Hell, yeah. In der Jugendherberge noch bis 4 gekickert und gekichert. Hihi.

    Samstag, 21. November 2008:

    Eigentlich kann man schon nicht mehr, eigentlich ist man schon komplett voll mit Eindrücken und Texten und Jury-Noten und … eigentlich. Aber den Tag, den nehmen wir jetzt auch noch mit! Wie gewohnt frühes Frühstück (nur bis halb 10 erhältlich), danach etwas Schlaf nachgeholt und in der Lounge gechillt. Beim Open Mike herrscht eine sehr angenehme, wettbewerbsfreie Stimmung, Benjamin Reichstein zeigt mit seinem Nachrichten-Text mehr Originalität als viele andere im Einzelwettbewerb, und Renato Kaiser liefert den besten Publikumsspruch: Ein Slammer betritt die Bühne, eine junge Frau aus dem Publikum schreit ihm zu “Ich will ein Kind von dir und du weißt es!”, und Renato, ebenfalls im Publikum sitzend, erwidert blitzschnell “Nein! Sie hat ein Kind von dir und du weißt es noch nicht!”

    Genug gelacht, es gilt, Heiner Lange im Halbfinale mental zu unterstützen. Micha Ebeling brennt direkt vor Heiner ein Storyteller-Feuerwerk ab, Heiner schafft es leider nicht, auf dieser Welle weiter zu surfen, und ich merke wie er merkt, dass an den Stellen des DISCO-Textes, an denen normalerweise das Publikum zu vernehmen ist, dieses nur minimal zu hören ist. In der Folge kämpft Heiner wie ein Löwe, legt auf jede einzelne Geste und Aussage noch ein paar Kilo Performance extra drauf – aber es reicht knapp nicht, sehr schade.

    Dann noch das Grande Finale, im Cup-System ausgetragen. 13 Jury-Mitglieder, jedes davon mit einem X und einem O ausgestattet. Ein Slammer ist X, der andere O. Und einer kommt weiter. Johanna Wack vs Julian Heun und Gabriel Vetter vs Sebastian 23 heißen die beiden Halbfinals. Vetter hatte zuvor mit einem tollen schweizerdeutschen Text über coop vs Migros (die beiden Schweizer Supermärkte) 13:0 gegen Ebeling gewonnen. Und er hatte 6:20 min Zeit für seinen Text. Wer sich das Video von Gabriels Performance (Viertelfinale 3) ansieht wird merken, dass er weit über 6 Minuten Zeit benötigt hat und nicht die regelkonformen 5min + 15 sec! Dabei hieß es ganz eindeutig, dass die Zeit ab der ersten Geste oder dem ersten Wort des Poeten gestoppt wird! Und wenn im Finale einer deutschen Meisterschaft einer über eine Minute länger Zeit für seinen Text hat als die anderen Finalteilnehmer dann ist das schlicht und ergreifend einfach nicht fair! Ko meinte am Vortag bereits, dass ihm einige Texte enorm lang vorgekommen sind – mir auch, aber ich dachte, dass es einfach daran liegt, dass diese Text einfach LANGweilig waren. Gabs Probleme mit der Zeitmessung? Wer oder was hat die Zeit eigentlich gemessen? Auch bei meinem Vorrundenauftritt setzt das Klingeln, dass nach exakt 5 min einsetzen soll, erst nach 5:15 ein (Videobeweis). Hmmm. 6:20 sind schon verdammt viel, finde ich. Die Regeln gelten nun mal für alle. Freue mich über Kommentare zur Zeitmesser-Problematik!

    Heun und 23 schließlich im Finale. Heun legt mit “Seifenblasenphrasen” gut vor, 23 muss nachlegen. Der letzte Text des National Slams. Und so nach 2 Minuten merkt der gute Sebastian, dass es noch nicht ganz reicht, denn der Text an sich ist deutlich schwächer als der von Julian, also beginnt er zu kämpfen, drückt auf die Tube und fightet wie ein Wahnsinniger, denn er hat noch 3 Minuten um endlich den unendlich verdienten Titel zu holen und sich in die Liste der National-Slam-Champions einzureihen (nobody remembers number twos). Und irgenwann hat er dann jeden im Publikum am Sack und sein Drive, seine Ausstrahlungskraft, seine Performance-Perfektion, sein Charme, sein Hunger, seine Hingabe und sein “besseres Gesamtpack” (Zitat Karsten Strack) bescheren ihm den Titel. Glückwunschglückwunschglückwunsch. So richtig und so wichtig. Für ihn und für den Slam. Denn hier wurde jemand mit dem Titel belohnt, der seit Jahren für Slam lebt und arbeitet, der sauviel für den Slam in Deutschland getan hat und der den Titel auch nutzen kann. Der n Buch hat, auf den man jetzt den Aufkleber “Geiler Typ 08″ kleben kann, der einen Agenten hat, der ihm nun noch geilere Auftritte verschaffen kann, der ne Band hat die das Zeug hat, und der somit der ganzen Szene als wundercooles Aushängeschild Glanz verleihen kann. Ich freu mich tierisch für und mit Sebastian, der, als wir am letzten Tag nachts in der Jugendherberge das “Deine Mudda”-Massaker beendet hatten, mit dem gefüllten gelben Hemd von Micha Ebeling die Hostel-Lobby betrat und dabei eine tiefempfundene Zufrieden- und Glückseligkeit ausstrahlte. Schön.

    Das waren so grob meine/die Tage in Zürich. Morgen kommen noch ein paar Gedanken und Nachbetrachtungen hinzu. Und ich präsentiere meine 5 Lieblingstexte des Festivals!

  • Bumillo, 23 Nov 2008 /  Slam 2008

    Boah Leute, schon wieder zurück in München, die 4/5 Tage des Slam 2008 zucken wie ein Blitz an der reizüberfluteten Netzhaut vorbei und bilden in meinem Kopf einen Knäuel-Klumpen, den ich mit Hilfe einer prall gefüllten Mütze Schlaf in den kommenden beiden Tagen auflösen und in seinen Einzelfäden darlegen möchte/werde.

    Am Montag gibts die Action, am Dienstag die Gedanken.

    Nur ca. 15+2 Stunden seit  Dienstag geschlafen, erstaunlich wozu der menschliche Körper fähig ist, wenn er nur von der Luft, den Leuten und der Poesie alleine lebt. Jetzt grade noch mehr schlecht als recht auf der Rückfahrt im EC gepennt, nachdem ich vor allem mit Tobi Kunze, Patrick Klebba, Bente Varlemann, Florian Cieslik, Paul “Deine Mudda” Hofmann und einigen anderen in der Jugendherberge bis 8 Uhr morgens (um 9.16 ging unser Zug) durchgemacht und durchgelacht habe. Bin vomstundenlangen Lachen körperlich komplett erschöpft. Mit Tobi Kunze durchzumachen ist ungefähr so, wie sich die besten und wichtigsten Szenen seiner Lieblings-Kindheits-Filme auf einem fast vierstündigen Best-Of-Compilation-Tape in doppelter Geschwindigkeit anzuschauen, während man in einem Whirlpool aus Ideen sitzend die Erweiterung von Zeit und Raum ekstatisch erwartet.

    Der SLAM 2008: das bessere Sommerlager.

  • Heiner, 23 Nov 2008 /  Bilder, Reiseberichte, Slam 2008

    Mit dem Slammastermeeting beginnt der Tag. Eine interessante Veranstaltung, weniger im Bezug auf ihre Inhalte als vielmehr wegen der Erkenntnis, dass im kreativen Bereich das Wissen um geordnete Versammlungen und Protokollarisches kaum vorhanden ist. Nuja. Nicht unbedingt zwei Stunden für den Arsch, aber viel erreicht auch nicht.

    Ein Spaziergang führt mich in das Museum der Hochschule für Gestaltung, wo eine Ausstellung über politische Portraits läuft. In ihrer Anschaubarkeit eine angenehme Abwechslung zu der Anhörbarkeit des Slams.

    Mein Halbfinale findet im kleinen Moods statt. Schade, wenn man bedenkt, dass in Halle 1 bei gleichem Wettbewerbsstatus wesentlich größere Beachtung zu holen gewesen wäre. Besonders im Bezug auf die Tatsache, dass bei 13 Startern nur zwei ins Finale kommen, was das Losglück entscheidend macht. Nils Heinrich hat Lospech, bringt aber einen schönen Text, der mich nach seinem Vorrunden Comedy-Auftritt versöhnt. Micha Ebeling holt sich mit seinem Istvan-Text den ersten Platz, direkt danach bin ich dran. Ich performe auf ungünstigem Startplatz 6 Disco, aber merke bereits bei der Ansage: Das wird nix. Der Text kommt in den Köpfen der Leute an, aber nicht in den Herzen, das Publikum geht nicht mit, und genau dieses Mitgehen hätte die entscheidenden Zehntelpunkte bringen müssen. So komme ich nur auf Platz zwei und lasse alle Hoffnung fahren, schließlich kommt noch Andy Strauß auf dem glücklichen vorletzten Startplatz. So schaue ich ein wenig ins andere Halbfinale und am Ende, schwupps, bin ich in meiner eigenen Runde auf Platz 3. Öde. Runtergeschoben von Sven Kamin, den keiner kennt und der im Finale einen gut performten aber sehr schwachen Text bringt.

    Das Final-Line-Up ist, wie durch die Losglückbedingtheit der Halbfinals zu erwarten war, merkwürdig besetzt. Vincent Welt? Sven Kamin? Gut, mag man sagen, auch du lieber Lange warst letztes Jahr ein No-Name-Finalist. Ja, war ich. Bin ja schon ruhig. Nur grämt mich der Gedanke, dass ich bei einem normalen Finale mit 12 statt 8 Startern dabei wäre. Und Gauner auch.

    Der Finalverlauf übertrifft meine (im Vergleich zum Teamfinale, das wiederum etwas enttäuschte) niedrig angesetzten Erwartungen dann doch. Und Sebastian 23 gewinnt. Ein derart großartiges Finale wie in Berlin war es aber nicht. Julian Heun bringt zwar sehr poetische Sachen, allerdings schafft er es mit seinen doch latent altklugen Texten nach wie vor nicht, mich wirklich zu überzeugen.

    Was gäbe es, so kurz nach dem Finale, noch weiteres darüber zu sagen? Gabriel Vetter hat es gewagt und einen schweizerdeutschen Text gebracht. Der Text war großartig, das Publikum tobte, und das war in Ordnung. Was noch? Der 23 hat es (sich) verdient.

    Im Laufe der Woche, bei entsprechender Laune, noch ein paar Nachbetrachtungen meinerseits – von Bumillo sowieso.

    Bildergalerie Zürich Tag 4

  • Heiner, 22 Nov 2008 /  Bilder, Reiseberichte, Slam 2008

    Tagesverlauf: Leicht versandet. Die erste richtige Erinnerung um 16:00 Uhr, als Bumillos „Alles Geht – Ein Poetry-Drama“ im Moods-Club aufgeführt wird. Das ganze Ensemble ist dafür aufgefahren. Leider ist der Raum und meine Ohren nicht auf mikrofonfreies Zuhören geeignet, ich breche mein Zuhören relativ schnell ab und gehe Essen. Welch Profanität!, mag man da schreien. Vielleicht zu Recht.

    Ich finde mich direkt vor der Bühne der Vorrunde 11 wieder, um zu sehen, wie sich Scharri mit seinem frischest fertiggestellten Text schlägt. Er ist als Erster gelost und, soviel sei verraten, kommt sogar weiter, ebenso wie Sulaiman, Patrick Klebba (neues Gesicht!) und Ato Meiler. Letzterer mit einer relativ uncharmanten Rap-Parodie im Krämerstil, wodurch Christian Ritter auf den fünften Platz verdrängt wird. Unfein. Ritters Zapping-Text war gehaltvoller und besser. Wäre Ato kein Schweizer, wäre das vielleicht nicht passiert.

    (Nanu, wo bin ich denn jetzt?) Ah, in Halle 1, beim Halbfinale. Schrägst. Zur Regelerinnerung: 12 Leute treten an, zwei dürfen ins Finale. Die beiden sind in diesem Fall Julian Heun und Gabriel Vetter. Julian Heun mit seinem beim WDR präsentieren Seifenblasentext. Ich kann mir nicht helfen, aber ich nehme ihm diesen Text nicht ab. Die Jury tats. Gabriel Vetter mit einem skurrilistischen Stück über Bäume. Vielleicht fehlt in diesem Falle die nötige Distanz zur Beurteilung, aber ich meine, der Text war wesentlich schwächer als der Vorrunden-Regaltext – der letzte Startplatz und sein Schweizer Pass waren wohl doch recht hilfreich. Ärgerlich für Gauner und das Finale ohne Gauner, der mit einer fein ausgearbeiteten Politsprechsatire überzeugte. Schreit da jemand, diese Idee und ihre Ausführung sei doch von diversen Scheibenwischer-Protagonisten bereits abgelutscht? Möglich. Aber nicht von Gauner.

    Rutsch raus aus der Halle, rutsch wieder rein. Ich schaue mir das Teamfinale an. Und gräme mich abermals, nicht die Teamvorrunde 1 besucht zu haben, in der Word Alert doch um Einiges mehr gezogen haben dürfen als nun im Finale. Tübingen glänzt wiederum mit Originalität – ein Text über Autoren und Protagonisten, und Protagonist Harry macht das prächtig. Leider reicht es nur für den undankbaren Platz fünf – wären sie ins Stechen gekommen, hätten sie gewonnen! So liegt der Sieg bei Team LSD (Strübing, Ebeling) vor Smaat und Lesedüne, welche es jurydankenswerterweise ins Finale geschafft haben. Die haben Swing.

    Metaaaaargh! (alternativ: Metastasen?)

    Simon Chen im Halbfinale: Ein Text über den typischen Slammer. Agrar Berlin im Teamfinale: Ein Text über Slamtexte und so. SMAAT im Teamfinale: Eine Performance über Performances. (Einiges habe ich in dieser Aufzählung wohl vergessen) Meine Frage: So what??? War nicht mal die Idee von Schreiben, auch etwas zu beschreiben oder wenn man davon nichts hat, vielleicht auch mal etwas zu erschreiben? Zeigte ich letztes Jahr noch Abneigung gegen Text-Texte (dieser Text ist so... dass er … kann), so fällt das Beil meines Unmuts nun auf die Meta-Ebene. Nein, es ist einfach nicht originell, in einem literarischen Wettbewerb (sic?) das Vorgetragene der Anderen auseinanderzunehmen. Wenn einem selbst kein Thema einfällt. Diesen Vorwurf lasse ich jetzt mal ein wenig im Raum stehen. Vielleicht nehme ich ihn ja noch irgendwann zurück, aber nicht sofort. Ich muss ja vielleicht noch den Regaltext in diesen Kontext stellen.

    Erstmal schau ich zum Slammastermeeting. Und ich muss ja heute auch noch so n bisschen Halbfinale bebühnen.

    Und vielleicht gewinnen meine Blogeinträge demnäcst wieder ein paar positivere Töne. Doch, ja, kommt. Muss ja die ganzen Fiesereien hier wieder kompensieren, nicht, dass jemand angepinkelt ist...

    Bildergalerie Zürich 3

  • Heiner, 21 Nov 2008 /  Bilder, Reiseberichte, Slam 2008

    Impression 1

    Ich schaue mir die U20-Vorrunde mit meiner Augsburger Schülerin Eli an. Das Publikum, zum Teil bestehend aus (vermutlich verpflichteten) Schulklassen, hat eine geringe Zuhörstärke. Gerade bei Eli schlägt diese Schwäche besonders durch.

    Impression 2

    Ich spaziere ein paar Meter durch Zürich auf der Suche nach einer Apotheke, denn ein Großteil der Schweizer Apotheken muss natürlich gerade heute wegen einer Volksabstimmung streiken. Ich genieße den industriellen Charme des Schiffbauviertels, der Weg zum Bahnhof offenbart abseits der polierten Altstadt ein gewachsenes Stadtbild.

    Impression 3

    Ich esse. Das OK hat für alle Dichter pro Tag ein warmes Essen für lau organisiert. Und es schmeckt! Die Organisation dieser Veranstaltung ist perfekt.

    Impression 4

    Ich betrachte die Vorrunde mit Grög! und Mani Eder. Björn Högsdal wie immer extrem originell, Grög gibt alles aber rutscht knapp vorbei, Jakob Nacken bezaubert, Mani Eder tritt mit einer Mordsbeule und einer bisher ungekannten Performancekraft auf.

    Impression 5

    Ich schaue mir das U20-Finale an, um David und Ivos abschneiden zu verfolgen. Sie müssen nach dem bereits in der nachmittäglichen Vorrunde eingeschlagenen Bremer Performer Bleu Brooden ran. Merkwürdige Gestalt. Von Selbstdarstellung erfüllt, aber ziemlich brilliant. Gewinnt dann auch den Titel, sehe ich aber nicht mehr.

    Impression 6

    Ich schaue mir die zweite Teamvorrunde an. Schon nach wenigen Teams wird klar: Ich hätte mir auch die Erste ansehen sollen, mit Word Alert, Agrar Berlin und LSD. Denn was bei den Teams zu sehen ist, DAS ist neu. Das ist geil. Da tut sich noch was! K.u.K gehetzt aber geil, Lesedüne rhythmisch mitreißend, großraumdichten bezaubernd, Allen Eanstyzz (Tesfu, Dörsing) fein verspult, David und Ivo nasig, aber allesamt getoppt von Team Tübingen (Jakob Nacken, Harry Kienzler). Waren die beiden 2006 im Teamfinale ob ihrer Originalität meine Lieblinge, waren sie gestern mit ihrem Zahltext die Lieblinge aller. Nach einhelliger Meinung der bisher beste Text dieses Nationals!

    Impression 7

    Ich tigere zwischen Beatpoeten/Großraumdichten und Rapslam hin und her. Egge von den Beatpoeten schreit mir zu sehr, nach Stunden Wortgefecht ertrage ich das nicht. Beim Rapslam fehlt mir die letztjährige Beatuntermalung, man wird wieder a capella puristisch. Das taugt mir nicht so sehr. Sehr fein taugen mir Großraumdichten mit Ludwig Berger. Die muss ich irgendwie mal nach Landshut kriegen.

    Impression 8

    Gute N8.

    Bildergalerie Zürich zweiter Tag

    Plan für heute, Freitag:

    Wetter schlecht. Teamfinale wichtig. Auch wichtig: Chillen. Morgen: Halbfinale, 18:00 Uhr im Moods.

  • Heiner, 20 Nov 2008 /  Bilder, Reiseberichte, Slam 2008

    Ankunft am Schiffbau in der Poetry Lounge. Wo es auf vielbereisten Slams schon klassischerweise ein großes Hallo beim Wiedersehen der Dichter gibt, so ist die Halle 2 des Schiffbaus ein einziges Hallogrüßdichservuslassdichumarmennawiegehtsallesfit-Konglomerat. Und ich ein wenig überfordert. Ich treffe David und Ivo, deren Vorrunde zu sehen ich verpasst habe, geschadet hat es nicht, sie sind weiter, das hatte ich erhofftwartet.

    Meine Vorrunde

    Zu meinem Glück schaffe ich es, mich vor Beginn meiner Vorrunde auf ein gesundes Aufregungsmaß zu pegeln. Mein Startplatz ist der fünfte von zwölfen, das ist akzeptabel. Eigentlich hatte ich mir zur Sicherheit vorgenommen, im Falle eines frühen Losplatzes den Discotext auszupacken, doch ich lasse mich auf den Backpacker umstimmen, den ich dank langer Live-Quarantäne meinen Ansprüchen genügend rüberbringe. Auch den Ansprüchen des Publikums und der Jury, ich bekomme 26,1 Punkte, bis zum Schluss die zweithöchste Punktzahl. Der Vorteil des Systems „Höchste-Niedrigste-streichen“ offenbart sich: Der komische Vogel, der mir läppische 3,5 Punkte gegeben hat, wird gestrichen. Ich glaube, das war ein echter Hardcore-Backpacker, den habe ich vermutlich richtig angepisst. Er konnte aber nichts ausrichten: Ich bin weiter und freue mich!

    Des Weiteren kamen weiter: André Herrmann aus Leipzig, Gauner und Remo Rickenbacher, letzterer der einzige Schweizer der Gruppe. Und ja, doch, ich glaube, ich vernahm ein zustimmendes Raunen im Publikum, als seine Herkunft bekannt gegeben wurde. Opfer des System wurde Sarah Hakenberg, die bereits als Zweite starten musste. Da wäre mit keinem Text was zu holen gewesen, die Noten gingen zum Schluss einfach wieder mal hoch.

    Weitere Vorrunden

    Für mich das größte Ärgernis im Bezug auf Systemopfer: Bumillo. Als vor Beginn meiner Runde die Nachricht durchdrang, dass er als Erster ranmüsse, ließ ich Einiges an Hoffnung fahren, dass wir unser Halbfinaldouble von letztem Jahr wiederholen könnten. Und so kam es auch. (Wie ich gerade sehe, hat er schon berichtet)

    Danach sah ich noch Vorrunde 4, die einiges an Interessantem bot: Wolf Hogekamp trat im Einzel auf, mit einem Text, der Bumillo und mir irgendwie bekannt vorkam. Und ja, er war es: Der Text von ca 1997, der in Rolf S. Wolkensteins Film „Slam Revolution“ kurz angeschnitten wird. Ein erstaunliches Erlebnis. Bester dieser Runde: Gabriel Vetter mit seinem Text über das Bücherregal. Nun gut, mag man sagen, das war ein Metatext gemischt mit Dingdichtung, aber: War geil. Weniger begeistern konnte ich mich für Nils Heinrich, dessen Auftritt ganz klar Comedy war. Nein, da war kein wirklicher literarischer Funke im Auftritt verbaut. Harry Kienzler zeigte mit seinem souveränen Auftritt, dass er auch nach den letztjährigen schematischen „Ich bin so ...“ „Ich habe einen Traum ...“ Texten nicht zu den Onehitwondern gehört.

    Bildergalerie Vorrunde 4

    Achso, ja

    Dieser Blogeintrag entstand offline, da das Internet in der Herbergslobby kostet. Vermutlich gibt es auf www.slam2008.ch Einiges mehr an Info.

    Der nächste Eintrag wird mit wesentlich schöneren und vor allem mehreren Bilder geschmückt sein. Freuet euch!

  • Bumillo, 20 Nov 2008 /  Slam 2008

    Nur ganz kurz, da das Internet hier mies ist: Heiner ist mit “Backpacker” weiter und kümmert sich im Moment um andere/wichtigere Dinge, ich wurde gestern in der Todesgruppe 2 als ERSTER gelost – und bin draußen, trotz der von allen Seiten bestätigten besten “Kaufhausrausch”-Performance ever ever und einem absoluten Atomapplaus – die Jury gab nur 23,5 unterirdische Punkte, darunter eine 6,4 – ohne Worte.

    Selten wurde ich von so vielen lieben Menschen herzhaft und aufrichtig in den Arm genommen, danke dafür, der massenhaft gespendete Trost hat sehr geholfen. Von Fortuna und der Jury komplett im Stich gelassen, bleibt mir der RESPEKT der Poeten – wunderbar.

    Auf der anderen Seite: der Sieger geht nach Hause und f**kt die Ballkönigin, and I’m a LOSER baby, so why don’t you kill me.

    So, genug geweint, es bleibt auch gar keine Zeit traurig zu sein, morgen läuft schon ALLES GEHT. Ein Poetry-Drama im rattenscharfen Moods-Club – von daher streiche ich das R aus JAMMER und jamme [sprich: dschäma].

    Ansonsten bleibt das Niveau der Texte bisher weit unter dem vom letzten Jahr – mal schauen, ob das noch besser wird.

    Mit ohne Schlaf und leerem Herzen, bu

  • Bumillo, 16 Nov 2008 /  Slam 2008

    136 Slammer kommen in Zürich nicht ins Finale!

    Da ist man auf jeden Fall in bester Gesellschaft …
    Von daher fahre ich mit lockerer Vorfreude (auch wenn ich gestern Nacht kurzzeitig in ein kleines Loch voller Zweifel gefallen bin) und unter völlig anderen Vorzeichen als beim letzten National Slam nach Zürich, hab meine extra für den National neu gekaufte Canon und 4 Texte im Gepäck, von denen jeder in der rotzeschweren Vorrunde Einzel 2 zum Einsatz kommen kann – und dann schau ma moi!
    Mein Mitgefühl gilt jetzt schon den vier Drittplatzierten der vier Halbfinals – mögen die acht Finalisten allein schon deshalb würdige Vertreter der Poeten-Zunft sein!

    Ansonsten sind wir hier nicht beim Fußball und müssen deshalb die “Spiele” nicht schon vorm Anpfiff zu Tode analysieren und reden – jedoch gilt auch für den SLAM 2008: “Entscheidend is auf’m Platz!”

    Etwas Angst habe ich jedoch vor den Nachmittagen in der Poetry Lounge: da wird nicht viel passieren, da alle nur rumsitzen und bloggen werden.

    Mit bestem Dank an meinen Homie Heiner und mit großer Vorfreude auf all die sexy Menschen, bu