• Heiner, 31 Mai 2008 /  Lange Denkt, München

    [Vorbemerkung: Es empfiehlt sich, vor dem Lesen dieses Eintrags die Kommentare zu betrachen.]

    Vorlauf

    November 2007: Bumillo (im Weiteren Christian Bumeder genannt) fragt mich, ob er einen Text von mir für ein Theaterstück haben kann. Und nicht nur mich: Auch Bas Böttcher, Gabriel Vetter, Pauline Füg und viele andere, darunter Blair aus Detroit bekommen diese Mail. Ich sage “Kein Problem, gerne.”, und habe nur wenig Ahnung, was daraus werden wird.

    Dezember 2007: Die Rohversion liegt in meinem Posteingang: “Slamsalabim, die erste Spoken-Word-Theater-Revue des Planeten” nach Motiven aus Paolo Coelhos “Veronika beschließt zu sterben”. Premiere Ende Mai auf der Studiobühne des Instituts für Theaterwissenschaften. Interessant. Kann das funktionieren?

    Inhalt

    (kurz zusammengefasst): Junge Frau Veronika wird vom daily grind zermahlen (Bas Böttcher – Nach dem Loop: Leben / Blair – Chrysler Poem), begeht einen Selbstmordversuch (Pauline Füg – Einsame Insel / Gabriel Vetter – Ausgangslage), erwacht mit terminaler Herzinsuffizienz (wie mir Dr. Bonke gestern erklärte) im Irrenhaus. Lernt, unsicher ob selbst verrückt, die anderen Verrückten kennen (Grög – Anonyme Poetiker / Bas Böttcher – Missverständnisse / Harry Kienzler – Ich habe Angst / Julius Fischer – Ich will Kunst machen gemashupped mit Heiner Lange – Mal, Mal). Verrückter Eduard (Anatol Schuster – Menschentiere) verliebt sich in sie. Psychiater der Anstalt ist auch durchgeknallt (Mirco Buchwitz – Freejazz). Veronika gewinnt in Anbetracht der fröglichen Verrückten und und Eduard (Xóchil A. Schütz – Deine Hand, die mich küsste) neuen Lebensmut (Sebastian 23 – Geh / Bumillo – Alles Geht + Bock), schafft es, die letzten Lebensstunden in Freiheit verbringen zu dürfen und stirbt letztendlich, dann Schlussmonolog Eduard (Pauline Füg – Zwischen den Zeilen).

    Das Stück

    Bereits an dieser Inhaltsangabe dürfte es klar werden, dass der Fokus des Stücks auf der Komposition der Slamtexte liegt. Dass die Handlung in einem Irrenhaus spielt, ist eine Lösung für die Problematik des fehlenden Zusammenhangs der Slamtexte. Betrachtet man aber den Umstand, dass Bumeders unverslamte Dramaversion besagten Stoffs bereits existierte, könnte man wohl sagen: Das hat sich so ergeben, diesem Umstand bedarf wohl keines Hintergedankens. Dabei sei gesagt, dass inbetracht der durch Coelho gegebenen, sehr konstruierten Handlung, kaum die Absicht besteht, eine Geschichte zu erzählen. Vielmehr ist es Ziel des Stücks, ganz wie Slamtexte, Stimmung zu erzeugen: Der unerträgliche Alltag, eine gehörige Prise Weltschmerz, Betroffenheit, die würdevolle Lebensfreude des Verrückten, und am Ende wieder Verlust. (Wobei diese Betrachtung aus der Sicht eines Slampoeten und selten-Theatergänger geschieht, siehe Kommentare.)

    Und das klappt ausgezeichnet. Auf der Premiere fieberte ich ständig dem nächsten Slamtext (die ich ja durch meine Reisetätigkeit und diverse Youtubeversionen alle kenne) entgegen. Und musste an vielen Stellen sehr breit grinsen, wenn nicht kichern, ob der Tatsache in welch ungewöhnliche Kontexte man Slamtexte stellen kann, wenn man sie nur von der neutralen Slambühne und dem Autor selbst entfernt. Und doch die ursprüngliche Wirkung beibehält, wenn nicht verdeutlicht. Ein Beispiel: Mein Mal-Text dient als unterbrechende Dialoghälfte zu Julius Fischers Kunst-Text. Nachdem der Mal-Text kurz stoppt, ist das “äh…. ja…. wo war ich” vor dem folgenden Kunst-Part sehr bezeichnend für die verwirrende Wirkung, die ich selbst verursache, wenn ich Bob Ross imitierend auf der Bühne stehe.

    So war es also eine interessante Erfahrung, einen eigenen Text einmal fremdaufgeführt sehen zu können. Auf die Frage danach, wie ich mich gefühlt habe, konnte ich aber nichts dezidiertes sagen. Es war interessant und weckt in mir das Bedürfnis, auch mal jemanden zu covern, falls ich irgendwann dazu komme.

    Die Inszenierung

    Die Schauspieler haben sich echt ins Zeug gelegt. Das kann man festhalten. Die größte Spannung in dieser Angelegenheit bestand für mich persönlich allerdings weniger in der Story, den Slamtexten an sich, dem Bühnenbild oder ähnlichem, sondern in einer anderen Frage: Wie viel der typischen Slamattitüde des Co-Autors (bzw Text-Arrangeurs) und Regisseurs würde darin enthalten sein? Wie viel des typischen Bumillo-Bühnen-Vollgasoptimismus würde enthalten sein? Würde es ein Bumillo-Stück werden, ein Stück von Christian Bumeder, oder besteht zwischen diesen beiden überhaupt ein Unterschied?

    Ich sehe mich nicht imstande, diese Frage entgültig zu klären. Denn Fakt ist: Bumillo-Texte sind enthalten. Fakt ist auch: Das ganze Stück entbehrt jeglicher Betriebsbremse, wie seine Bühnenperformance. Aber auch: Ernste und lustige verarbeitete Slamtexte halten sich die Waage, allerdings sind die amüsanten Texte gewohnt wirkungsvoller (bis auf Gabriel Vetters “Ausgangslage”, dessen Performance durch Max Specketer Herrn Vetter weit in den Schatten stellt). Und: Der Schluss des Stücks ist nicht, wie in einer älteren Version, Bumillos “Alles geht”, sondern Pauline Fügs “Zwischen den Zeilen”.

    Fazit?

    Genug gestammelt. Falls Fazit, dann: Experiment geglückt. Ich bin gespannt, wie viele der Schauspieler ihre Einladung auf der Gästeliste am Sonntag im Substanz nutzen werden.

  • Heiner, 24 Mai 2008 /  Reiseberichte

    13:22 Uhr: Ich sitze Zug nach Dresden und habe bei mir: Mich (das ist wichtig), meinen Rucksack (CDs, Zahnbürste, Schlafbrille und Fotoapparat) und meine Laptoptasche (Laptop, Collegeblock, ein Buch über Thermodynamik, eins über linare Algebra, zwei Ordner voller Vorlesungungsmitschriften). Kommenden Freitag schreibe ich Klausur. Ich spiele „Disziplin kontra Gemütlichkeit“. Aktuell hat Gemütlichkeit die Oberhand, denn ich habe gut zu Mittag gegessen: Plenum venter non studit libenter.

    15:23 Uhr: Ich bin zwar noch satt, aber habe auf der Schnellfahrstrecke Ingolstadt-Nürnberg schon etwas gelernt. Jetzt höre ich das Album von Großraumdichten & Ludwig Berger und schreibe an einem Text über einen Quadratkilometer München.

    9:43 Uhr, Samstag: Sitze im Zug zurück, der minutiöse Stil war mir zu anstrengend. Nun Rückblick:

    Dresden

    Ankunft in Dresden-Neustadt: Eigentlich war es Lange noch nicht einmal in den Sinn gekommen, den Witz „Oh ich fahr in’n Osten, Vorsicht Nazis!“ zu reißen. Doch dann darf er sich beim Ausstieg am Anblick einer gigantischen Nazibratze ergötzen. Wow! Vermutlich 16 Jahre alt, 160 Kilo, macht 10 Kilo Nationalismus pro Jahr. Kindchen hat immer gut aufgegessen, ja, ja.

    Eine Straßenbahnstation, Ausstieg am Albertplatz. Deja vu? Ja! Lange war schonmal hier! Hinter einer kleinen Allee glänzt der goldene Reiter und die Punks am Albertplatz schauen noch genauso aus wie vor 5 Jahren, als Lange in Dresden war. Der Weg zur Scheune, die Alaunstraße, erweist sich als alternatives Vergnügungsviertel. Dönerbude reiht sich an Kneipe reiht sich an Headshop an Skaterladen. Hübsch. Auch die Scheune zeigt sich komfortabel: Es gibt Bett, Bier und Grill. Und nette Leute. Und ein aufmerksam-gieriges Publikum von etwa 250 Leuten, das Lange zusammen mit Peh und Tilman Birr ins Finale pfennigt (der Abstimmungsmodus in Dresden). Letzterer gewinnt dann, das war erwartet und ok, Lange teilt sich mit Peh den zweiten Platz.

    Fazit: Sehr gut organisierter Slam mit motivierender Stimmung, launiger Moderation (Michael Bittner und Stefan Seyfarth) und trotzdem aufmerksamem Publikum. Vergleichbar in etwa mit Sankt Gallen. Einziger Wermutstropfen: Lange hat es nicht geschafft, der Frauenkirche einen Besuch abzustatten. War diese 2003 noch verhüllt und nicht begehbar, so schnitten sich diesmal die Öffnungszeiten nicht mit Langes Zugplan. Ergo bekam nicht einmal die Dresdener Altstadt einen Besuch abgestattet. Es wäre zu hoffen, dass sich Dresden wieder ergibt, dann aber vorzugsweise als Tour und nicht mit 11 Stunden Zugfahrt für einen einzigen Auftritt…

    Eine kleine Besonderheit noch: Es kommt in letzter Zeit nicht oft vor, dass Lange kurz vor dem Auftritt richtig aufgeregt ist. Diesmal aber schon. Und erstaunlich ist: Wenn man es beherrscht, die Aufregung zu kanalisieren, ist sie sogar sehr angenehm.

    Bildergalerie Dresden Slam in der Scheune 23.05.08

  • Heiner, 22 Mai 2008 /  Bilder, Landshut

    Zum Anfang ein kurzer Lange.Slam.Aphorismus: Hätte ich jedesmal, wenn mein Pessimismus widerlegt wurde, nen Euro verdient, wäre ich jetzt ein reicher Mann. [Anm.: schwach formuliert und wenig tiefsinnig, ja, das gebe ich zu]:

    Ich sitze im Zug nach Landshut, Clara Nielsen ruft an, die ich am Sonntag erst für den abgesprungenen Nils Rusche eingeladen hatte. Anschlusszug in Nürnberg verpasst, der nächste nach LA geht erst in zwei Stunden. Das ist aber zu spät. Mist. Hoffentlich hat sie nächste Saison Zeit. In Landshut angekommen füllt sich zumindest der Raum gut, und auch die wächst mit Ernst Froh auf (für Landshut ordentliche) fünf Dichter an. Nichtsdestotrotz entscheide ich mich, zur Feier des Saisonabschlusses auch eigene Texte vor den Blöcken zu bringen. Am Anfang gleich “mal mal”, der lag schon zu lange in der Schublade.

    Der Wettbewerb ist abwechslungsreich wie nie und ich lehne mich vermutlich nicht allzuweit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Da haben Sam und ich was rangezüchtet. Sebastian Stopfer und Sebastian Schönfeld zeigen sich in Bestform, ersterer mit ausgefeilten Performance-Stories, zweiter mit immer besser werdenden Sprachspielen. Auch Gast Ernst Froh kann die Herzen der Landshuter erobern. Für die beiden Damen des Abends langt es nicht fürs Dreierfinale, sie sorgen aber u.A. mit bayrischer Performance-Poesie für Abwechslung.

    Vor dem Finale: Lustig verzwirbelte Szene. Ich bringe Fahrenheit 109, bringe aber sehr früh die Strophen durcheinander, verdammt. Rettung? Zugeben, dass ich es vorher nochmal im Kopf hätte durchgehen sollen? Doch nein: Ein Handy klingelt. Richtig laut, richtig lang. Ich schweige demonstrativ auf der Bühne, bis es ausgeschaltet ist, und habe danach guten Grund, verwirrt zu sein und nur die Schlussstrophe noch zu bringen. Glück gehabt, und zudem ein Exempel statuiert, hehe.

    Im Dreierfinale liest Sebastian Schönfeld einen eigentlich guten Text absichtlich viel zu schnell, Ernst Froh ist hinreißend, und Sebastian Stopfer lustig und satirisch. Zwischen letzteren beiden lassen wir stechen und küren Sebastian Stopfer zum Sieger. Der Saisonschlusssieg bleibt in Landshut, welch schönes Zeichen…

    Bildergalerie Landshut 21.05.08

  • Heiner, 18 Mai 2008 /  Kiezmeisterschaft, München

    Die gestrige Kiezmeisterschaft war die abwechslungsreichste seit sehr langer Zeit. Besonders im Vergleich zu den 19 Poeten beim letzten Mal, wo sich die Texte ob der großen Menge dann doch häufig ähnelten. Alte Bekannte (Mani Eder, Rudi Lössl) waren im Haus, unverbrauchte Virgins (ihre Nachnamen waren Tesfaye und Brodski, ich habe vergessen, die Tabelle zu fotografieren), mit den U20-Schauburg-Heroes David und Ivo war das erste Mal in meiner Zeit ein Team am Start, aus Thun war Remo Rickenbacher angereist, und ich wollte es auch mal wieder wissen.

    Und ließ mir dann in der Vorrunde punktemäßig von David und Ivo die Butter vom Brot nehmen. Nur zweitbester. Davor hatte ich mich schon lange gefürchtet, nun ist es passiert. Quatsch. Aber ihr neuer Text war sehr stark. Konfus, aber stark. Klang ein wenig wie die Texte der Goldenen Zitronen. Zusammen mit Remo Rickenbacher lieferten wir uns ein furioses Finale, bei dem der Applaus letztlich nur aus tosendem Lärm bestand. Keine Chance, da einen Unterschied zu hören. Genauso wie im Februar, als Michael Bittner, Julius Fischer und eben auch ich im Finale standen. Liegt das etwa an mir? Man weiß es nicht. Die Jury musste nochmal ran und entschied sich dann doch recht deutlich für Remo Rickenbacher und seine verfallsbehaftete Biobanane aus dem Migros (Anm.: schweizerischer Supermarkt).

    Betrachtet man die Allzeit-Kiezsiegertabelle, so wird offenbar: Als Österreicher oder Schweizer hat man im Kiez einen sehr guten Stand. Als Gast in letzter Zeit sowieso, wobei das auch rein an der Menge der Gäste liegen könnte. Nichtsdestotrotz wird Herr Rickenbacher, wenn nichts schiefgeht, am 4. Juli zusammen mit Stefan Dörsing den auswärtigen Part des Slams auf dem Uni-Sommerfest bilden. Aus München treten Bumillo und Felix Bonke an. Das wird fein. Nächster Lange.Slam.Eintrag am Donnerstag, nach Landshut.

  • Heiner, 12 Mai 2008 /  Lange Denkt, München

    Der gestrige Slam im Substanz hat mir sehr zugesagt. Meine Finalprognose ist nur zu Hälfte eingetreten, in Form von Dalibor, der dann auch gewonnen hat. Wahnsinn. Wo man in seltenen Fällen auf einem Slam einen Dichter als Erlebnis bezeichnen könnte, ist Dalibor schon eine wirklich Erfahrung. Ich habe ihn zum ersten Mal live solo gesehen. Gäbe es für das englische “mind-blowing” eine schönere deutsche Entsprechung als “Oida, das hat mein Hirn gefickt.”, so wäre sie hier wohl angebracht.

    Zum Rest des Slams: Das Substanzpublikum klatschte bei den Abstimmungen so, als hätte es die aktuelle Slamily-Diskussion über Originalität und geklaute Pointen in Slamtexten mitverfolgt. Sarah Hakenberg kam mit ihrem (nicht als lieblich beabsichtigtem, doch aber putzigem) Text über Schlaflosigkeit ins Finale. In diesem Punkt wurde ich seit einiger Zeit endlich mal wieder positiv überrascht.

    Und eben damit, dass Dalibor gewonnen hat. Sollte mir im Juni vielleicht mal ein Finaleinzug vergönnt sein, könnte ich womöglich sogar Frieden schließen mit dem Substanzpublikum. Das mir, ehrlich gesagt, manchmal sehr leid tut. Gestern hatte schon wieder jemand einen Kreislaufkollaps vom stickigen Herumstehen… Frühling, die alte Kackbratze, macht die Leute schlapp.

  • Heiner, 11 Mai 2008 /  Bilder, München, Reiseberichte

    Schlechte Laune vor der Abfahrt, Untergangsstimmung: Mehrere Absagen, viel zu gutes Wetter, Pfingstwochenende. Trotzdem: Ab nach Landsberg.

    In Landsberg: Ein Eis, bitte. Irgendwie muss man sich ja den bitter erwarteten Abend versüßen. Sarah Hakenberg, Michael Jakob und Albrecht Rau gesellen sich zu Lange und Bumillo. Mehr Poeten werden es nicht. Man kennt sich. Und unter “man kennt sich” läuft auch der Slam ab. Hochklassig, aber irgendwie unaufgeregt, und trotzdem gute Stimmung im Haus. Albrecht Rau zeigt mal wieder sein Trashkönnen (“ausgekotzt und angeblasen / liegst du auf dem Rasen”), Sarah ist wie immer liab, Michael Jakob bringt Tofu und drückt danach mit Abschied erfolgreich auf die Tränendrüse, Bumillo taut erst beim zweiten Text richtig auf, Lange ebenfalls.

    Bumillo gewinnt eine gefrorene Flasche Sekt, die zur schiefst gegangenen Siegesfeier aller Zeiten führt. Merke: Gefrorene Getränke mit Kohlensäure ploppen nicht, sie schäumen einfach so vor sich hin. So saut Bumillo die Bühne mit gefrorenem Sektschaumschnee voll und der Rest bepisst sich. Fazit: Befürchtungen waren umsonst. War ein richtig guter Slam.

    Danach zeigt sich wieder einmal, wie nützlich es ist, sich selbst an den Büchtertisch zu stellen und lauthals die Werbetrommel zu rühren. Alle mitgebrachten CDs weggegangen. Zitat eines Besuchers: “Du bist zwar aufdringlich, aber gut.” Danke.

    Bildergalerie Landsberg 10.05.08

    Merkwürdigerweise auf fast jedem Foto Bumillo. Keine Ahnung warum.

    Heute Abend

    Ist Substanz-Slam. Eigentlich wollte ich ja Lange.Slam.orakeln, wer welchen Text macht und wer gewinnt. Ich bin aber im Frankenslam-Forum auf einen Beitrag von Michael Jakob gestoßen, der genau das vorrausnimmt, was ich hier vollmundig selbst orakeln wollte. Von Michl also unter Garantie der Fragentext und Tofu in der Vorrunde. Zudem hat Nils Heinrich abgesagt, der mein Favorit gewesen wäre. Prognose für heute Abend also: Michael Jakob im Finale gegen Dalibor, sofern sie sich nicht in der Vorrunde raushauen. Geheimfavorit: David Friedrich. Das wäre ne coole Überraschung.

  • Heiner, 06 Mai 2008 /  München

    Sonntag Rückfahrt von Marburg. Kaum daheim angekommen, Nachproduktion von CDs in Hoffnung auf weiteren Verkauf. Der Wochenendabsatz in Würzburg und Marburg (zusammen 7 Stück) war durchaus zufriedenstellend.

    Um 19 Uhr am Vereinsheim, doch dort sind noch die Rollläden unten: Die Bayern haben gerade die Meisterschaft gewonnen. Wo man Hupkonzerte und torkelnde Feiernde erwarten sollte: Nichts. Jo, mei, homma halt gwunna. Ein erbärmliches 0:0 gegen Wolfsburg lässt Lange wieder einmal daran zweifeln, ob es einen vernünftigen Grund gibt, warum Menschen Fußball mögen. Warum nicht eher Basketball, im Zweifelsfalls noch Eishockey? Warum muss es dieses ultradröge Spiel sein, bei dem im nicht allzu seltenen Fall eine krumme Nasenspitze mit Rotzfahne über Abseits entscheiden kann und so fröhliches Toreschießen vermiest? Unverständlich.

    Das Wetter ist auch noch klasse, und so dauert es, bis Publikum eintrudelt, am Ende etwa 30 Leute. Neben Lange ist Lydia Daher eingeladen, die aus ihrem neuen Buch (bei Voland&Quist erschienen, ebenso wie FIVAs Buch, das Lange in Würzburg von Wuschel geschenkt bekommen hat) liest und ein paar Songs aus ihrem Album zum Besten gibt. Diesmal mit Akustikgitarre, statt wie vergangenes Jahr mit E-Gitarre und Laptop. Akustisch steht ihr wesentlich besser, meint Lange.

    Moses und Michi führen mittlerweile Strichliste, wie oft Jaromir in seinen Texten Professor Geishauser, Umlautprobleme, sein Dasein als Tscheche, sein Alter und Sex erwähnt. Die ganze Veranstaltung ist trotz wenig Publikum sehr launig und gemütlich. Nächstes Mal ist Scharri dort zu Gast, aber Lange wird dann wohl doch eher im Substanz zusehen.

  • Heiner, 05 Mai 2008 /  Bilder, Lange Denkt, Reiseberichte

    Zugfahrt von Würzburg nach Marburg mit dreimal Umsteigen und putzigsten Bummelzügen. Umsteigen von Gleis 102 auf Gleis 9 innerhalb von 3 Minuten. Kraftakt. Haha.

    Fußweg durch Marburg zum Marktplatz offenbart: Putzig. Putziputziputzig. Wie man es schafft, sich in dieser beinahe schon klebrigsüßen Stadt überhaupt fortzubewegen bleibt Lange ein Rätsel. Fachwerkhäuselchen, Schleichgässchen, Kopfsteinpflästerchen, all das und viel mehr. Am Marktplatz sitzen Lars Ruppel, Tobi Kunze, Sulaiman Masomi und Necip Tokoglu, die am Tag zuvor in Gießen waren. Kurze Zeit später befindet man sich in der Casa dei Ruppel. Geil-altes Haus von mindestens 1800, in dem wohl die Gebrüder Grimm mal Geschichten gesammelt haben müssen.

    Das KFZ am Abend ist mit 250 Leuten stinkevoll. Lange holt sich mit Disco den Sieg der ersten Vorrunde, einen Punkt vor Florian Cieslik aus Köln, mit dem er zuvor noch darüber diskutiert hatte, dass das doch Quatsch sei, wenn man mit nur einem Punkt Vorsprung als Einziger der Vorrunde ins Finale käme. Er zwinkert dazu.

    In der zweiten Vorrunde holt Tobi Kunze gleich mal 50 von 50 Punkten mit einem Text über die Putzigkeit von Marburg. Klassischer Stadttext, aber genau richtig. Die Marburger lieben ihn und lachen bereits nach einem Viertel des Textes schon vor den Pointen. Sulaiman Masomi liest danach, wegen Tobis 50 Punkte Mitleid heischend, einen… nun ja, frisch geschriebenen Text ohne große Zusammenhänge vor. Sein Charme täuscht über so manche textliche Schwäche hinweg und er holt 48 Punkte. Necip holt sich die etwas schwächere dritte Vorrunde. Die Locals sind angenehm unblass, und seit langem findet Lange darunter auch mal wieder ein Antitext, der sogar noch Niveau hat. Ein komischer Vogel ist dabei, der sich auf seine roten Handschuhe vor dem Auftritt Spiegelscherben schnürt.
    Im Finale: Die vier genannten, Sulaiman als bester Zweiter auch. Lange muss anfangen, macht “Beep”, bekommt guten Applaus, muss dann aber hinter dem klassisch-lustigen Storytelling der Anderen zurückstecken und gewinnt ein Paar Pimmelpantoffeln. Ja, ein Paar Pimmelpantoffeln. Die Anderen gewinnen Wurst, Schnaps und Panini-Alben, Lange gewinnt ein Paar Pimmelpantoffeln, mit denen danach erwartungsgemäß noch so manches Schindluder getrieben wird. Siehe Fotos. Zur Vollständigkeit: Sulaiman lässt nochmals seinen Charme spielen und gewinnt. Der Mann braucht eigentlich gar keine Texte, der gewinnt auch so…

    Saulanger (15 Starter), aber stimmungstechnisch hervorragender Slam geht zu Ende. Man fährt noch zu acht im Kombiwagen zum Nachtsalon, doch dort steigt auch keine tolle Feier mehr. [Kurzer Zwischenruf: Lange ist wahrlich kein Freund von After-Show-Partys, er war es nie, und er wird es nie werden. Die sind eigentlich immer schwach. Immer wird versucht, die vorangegangene Euphorie nochmals hochzuhalten, aber letztendlich sind dann doch immer alle (bis gelegentlich auf die Gastgeber) ausgelaugt und haben nicht wirklich überzeugte Lust darauf. Soweit Langes Theorie. Es ist eben wesentlich angenehmer, betrunken im eigenen Bett zu schlafen, als auf der fremden Gästematratze.]

    Die Rückfahrt am Sonntag ist ein richtig hartes Brot. Anschluss-ICE in Kassel-Wilhelmshöhe (hurra, endlich wurde auch dieser berühmte Bahnhof von Lange entjungfert!) fährt 5 Minuten vor Eintreffen des RE aus Marburg ab. Eine Stunde warten. Nächster ICE nach München muss wegen kaputtem Schafstunnel bei Fulda eine Ausweichstrecke nehmen. Dort bleibt er nochmals eine halbe Stunde stehen, weil eine Plane in der Oberleitung hängt. Zugführer: “Nun, wir haben jetzt 60 Minuten Verspätung, könnten aber auch 61, 62 oder 63 sein.” Haha. Wie lustig. Nach über 6 Stunden Fahrt zurück in München. Dort sofort nächster Auftritt bei den Schwabinger Schaumschlägern, im nächsten Blogeintrag.

    Bildergalerie Marburg 03.05.08

  • Heiner, 05 Mai 2008 /  Lange Denkt, München

    Als ich mit meinem Bruder die wenig vertrauenserweckenden Löcher in die Altbauwand gebohrt und das Wandboard über meinem Schreibtisch darin festgeschraubt hatte, wusste ich bereits, dass es passieren würde. Diesen gipsartigen Wänden durfte man nicht trauen. Man sollte keine schweren Ordner auf ein Konstrukt stellen, dessen Schrauben mit einer Schachtel Streichhölzer und vier Bierdeckeln in der Wand fixiert sind. Scherzhaft klopften wir darauf herum und ich sagte noch “Na dann stelle ich eben nichts Wertvolles darauf oder darunter.” und tat das dann auch nicht. Ich lernte, diese Problematik zu ignorieren. Vergangenen Freitag war ich sauer auf meinen Drucker und klopfte auf ihn. Dabei fiel mir die Problematik wieder ein. Es wackelte aber nicht.

    Warum musste sich das verdammte Scheißregal nach einem halben Jahr treuen Dienstes gerade um 3:32 Uhr aus der Verankerung lösen und mit einem Scheißgetöse (ich höre immer noch Schritte in den Wohnungen über und unter mir) auf den Schreibtisch donnern?

    Warum ich das in meinen Slamblog schreibe? Brückenschlag: Mein Drucker stand darauf, damit habe ich oft Slamtexte ausgedruckt. Er liegt jetzt in den Scherben zweier Wassergläser auf dem Boden, keine Ahnung, ob der noch funktioniert.

    Sollte mich jemand während der Woche als besonders gereizt erleben, an dieser Stelle also schonmal eine prophylaktische Warnung. Sofern ich je wieder schlafen kann. Den Menschen unter den Lesern will ich erleben, der mit einem solchen Scheißpuls aufwachen muss (Tibeter ausgenommen). Ein Erdbeben ist nichts dagegen.

    [Nachtrag, 10 Uhr morgens, nach 5 Stunden ängstlichen Schlafes: Drucker geht noch. Glück gehabt.Aber was mache ich jetzt mit den Löchern in der Wand?]

    [Nachtrag, 19 Uhr: Verwüstung beseitigt, dafür nun Unordnung. Sehe, dass eine der vier Schrauben nicht wie die anderen mit dem Dübel aus der Wand gezogen wurde, sondern tatsächlich abgebrochen ist. Werde den Schraubenhersteller verklagen.]

  • Heiner, 04 Mai 2008 /  Bilder, Reiseberichte

    Utopia Jetzt! – ein Festival der Jungen Katholiken. In Würzburg. Darauf ein Slam. Na dann!

    Eine merkwürdige Stimmung herrscht auf diesem Festival. Lange, der sich nie viel aus Kirche und Jugendorganisationen gemacht hat, ist ziemlich verwirrt ob der Gesittetheit. Brav? Nein. Aber gesittet. Oder anders ausgedrückt: Lange ist erstaunt, wie man derart “cleanen” Spaß haben kann, wo in Langes Begriffswelt “Spaß” eigentlich immer mit “Grenzüberschreitung” einhergeht. Organisation in Glaubensgemeinschaften? Nicht Langes Sache.

    Der Slam wird organisiert vom Bamberger Nils Rusche, der auch schon mal für Nora Gomringer als Moderator im Morph Club eingesprungen war. Kein Unerfahrener also. Doch im Laufe des Ankommens offenbaren sich Parallelen zu einem prägenden Ereignis der Lange.Slam.Geschichte: Dem Slam auf dem letztjährigen Uni-Sommerfest. Wo damals die Beschallung punktuell störte, dröhnt auf dem KJG-Festival die ganze Zeit Sound von der Hauptbühne. Und das immer wieder vermeintlich paradox-erstaunliche daran: Das Slampublikum toleriert es. Wo Lange als featured Artist des Abends seit langem auswendig-technisch ins Straucheln kommt, sitzen die Zuhörer brav und aufmerksam und klatschen genau richtig. Manch einen dürfte das nicht wundern, betrachtet man aber die nicht allzu seltenen Publikumsbenörgelungen im Lange.Slam.Blog., so dürfte es offenbar werden: Lange ist echt erstaunt.

    Textlich herausragend: Felix Brenner. Eine Abrechnung mit der katholischen Kirche par excellence auf einem katholischen Festival zu bringen ist eine starke Aktion, und oha: Das Publikum honoriert es! Später stellt sich dann heraus, dass es auf dem Festival sogar eine Homo-Lesben-Bi-Ecke gibt. No Vatikanismus in the house also.

    Nach dem Slam, halb zwölf: Lustige Leute tanzen im Karaoke-Zelt auf den Biertischen. Die Organisatoren greinen “Wir haben doch eh schon ne Dreiviertel-Stunde überzogen, Leute!” ins Mikro, die Party wird zum Protest. Kampfschreie: “Allez, Allez, Eine Straße, viele Bäume, ja das ist eine Allee!” “Wir feiern trotzdem oooo-ooo”.

    Das Glück will es, dass statt der angekündigten Turnhallenübernachtung ein Bett im Katholischen Jugendhaus am Start ist. Gute Sache. Almuth Nitsch, Benny Reichstein und Lange nehmen es dankend an. Der Ohrwurm des Festivalsongs ist allerdings nicht mehr loszuwerden: “Hey Hey Ho Ho U-U-topia!” Am Samstag dann Fahrt mit Almuth nach Marburg. Das alles im nächsten Blogeintrag.

    Ein sehr schöner und ausführlicher Rückblick übrigens auf dem Blog der Slamsiegerin des Abends, Marta D. Bednarczyk.

    Bildergalerie Würzburg 02.05.08