Noch Darmstadt

Aufwachen im Darmstädter Etap-Hotel. Es ist schlimm, im Etap aufzuwachen. Kein Anhaltspunkt, wo man sich befindet. Nichts. Blick aus dem Fenster offenbart lediglich: Anonyme Straße, mit Häusern. Dafür wenigstens ein Verkehrsunfall direkt unterm Fenster: So kann der Tag beginnen, Baby!
Wo man auf Slamtour bei Privatunterbringungen, und sei die Couch auch noch so unbequem, wenigstens jemanden hat, dem man die Zeit stehlen kann, ist man bei Hotelunterbringung ganz auf sich allein gestellt. Es bleiben 8 Stunden zu vertrödeln. Der Spaziergang führt kurz in den Park, dann ins Internet-Café mit kleinen Luftballonkindern. Der Spaziergang führt weiter an einen Döner zum Frühstück. Der beste Döner aller Zeiten! Krosses Brot, hauchdünnes Fleisch und saftiges Gemüse, mmmmh. Der Weg stoppt bei der Mathildenhöhe, wo dieser komische Hochzeitsturm steht, und da wird geheiratet. Wieder in der Innenstadt, es ist zwei Uhr, eine Idee: Kino! Lange fährt zum Bahnhof, und siehe da, da steht ein Kino. Volle Lust auf seelenlose Hollywoodproduktion mit haarsträubendem Plot führt in: “Jumper”! Wow! Ein Wunder an Plot-Plattheit und Effekthascherei!
Irgendwann dann S-Bahn nach Frankfurt. Wenn Lange klar gewesen wäre, wie nahe die Stadt doch liegt, hätte er das früher getan. Dort wuselt nämlich alles. Dann Autofahrt mit Jürgen Klumpe, André Herrmann, Michael Jakob und Peh, die gestern jazz-geslammt haben. Lange lässt seine gesamte demotivierte Motzlaune aus. Das tut gut. Ihm.
Karlsruhe

Das Café Gotec empfängt mit architektonischer Kälte (genieteter Blechboden, Baby!) aber emotionaler Wärme. Runde 1 mit Grohacke und Michl entscheidet Lange mit auswendig gelerntem Disco! für sich. Michl, dessen Tofu-Text Lange an diesem Abend zum… 10ten (?) Male hört, meint danach, die Performance-Note im Frankfurter Abstimmungssystem habe den Ausschlag gegeben. Das mag sein. Nicht umsonst hat Lange dieses System nach Landshut importiert.
Der Rest der Vorrunden bremst Langes vorangegangen Slamkulturpessimismus. Die Karlsruher Dichter (z.B. Martin Kistner, dessen Namen Lange sich merken konnte), allesamt junges Volk, sind SO GEIL! Innovativ, originell, nicht auf den schnellen Sieg aus, und selbst wenn gelegentlich klassische Slammuster durchblitzen, so doch jedes Mal mit einem Augenzwinkern, das verrät: Ja, ich kenne diese Tricks (Aneinanderreihung abstruser Vergleiche, Listentexte, unnötig affektierte Sprechhaltung) aber ich brauche sie nicht! Auch wenn also die Professionalität der Dichter dem Darmstädter Line-Up nachsteht, so bleibt als Eindruck: Slams, auf denen gute Texte gelesen werden, haben ein Jurysystem. Das ist so, das bleibt so.
Im Finale gewinnt Andrè Herrmann dann gegen Lange und Peh, wiederum mit recht, nun ja… sagen wir… ja, doch: Slamprosa. Da wurde ja schließlich auch geklatscht.
Bildergalerie Darmstadt 11.04.08 und Karlsruhe 12.04.08

Rückfahrt dann erstmals nach dem Kölner Auftritt wieder mit dem Nachtzug. Der hat zwar dann in München ne ganze Stunde Verspätung, aber diese Schrecksekunde, in der um halb 4 der Wecker klingelt, der Zug gerade hält und der halbpanische Blick dann doch nur auf den Donauwörther Bahnsteig fällt, ist sehr lustig. Am Münchener Ostbahnhof sind alle betrunken und kotzen, das ist auch sehr lustig.
Heute Abend Substanz-Slam (Line-Up). Scharri wird im Finale gegen Gröbner gewinnen. Im Finale möglicherweise auch: Sookee, David und Ivo sowie Matze B. Man wird sehen.