Die Semesterferien plätschern so vor sich hin und Lange tut ja auch was. Im Januar in Augsburg bei Winston im pornohaciendastudio hatte er einige Aufnahme gemacht, unter anderem endlich mal eine Studiogesangsspur für den lange nur live benutzte Electrotrashbeat (gebastelt von Ninja und Äffchen Soundsystem) für das gute alte “Wurst”. Letzte Nacht hat sich Lange an den Computer geklemmt und das endlich abgemischt, und freut sich, es hier mit Stolz präsentieren zu dürfen:
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Heiner, 29 Feb 2008 / Multimedia
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Heiner, 26 Feb 2008 / München
Am späten Nachmittag Workshop in der Schauburg gegeben. Danach schnurstracks ins Vereinsheim geradelt, um bei Blickpunkt Spot, der Kleinkunstbühne von Hannes Ringlstetter und Schwesterveranstaltung der Schwabinger Schaumschläger aufzutreten. Sebastian Krämer getroffen. Der musste am Sonntag wegen dem gleichen Vordenzugspringer warten, allerdings in Ulm, und das schien ihm weniger als mir ausgemacht zu haben, da er sonst in München die Zeit hätte totschlagen müssen.
Auch der Protoschwabinger und Schaumschlägerstammleser Michael Sailer war da. Vermutete ich früher nur, dass er ein Stammgast des Vereinsheims sei, so offenbarte sich mir gestern: Er ist tatsächlich ein Grundbestandteil des Ladens. So wie der Koch, die große Bar und der Techniker Wicket.
Zur Show: Ein sehr gemischtes Arrangement. Zuerst Michi Sailer, dann ein älterer Stand-Up Comedian aus der Schweiz, Sebastian Krämer gab sich die Ehre, Jess Jochimsem mit Stand-Up und witzigen Bilderserien, dann Pause. Nach Pause ein Singer-Songwriter Duo mit oft zu stimmender Gitarre, danach ein Gitarrenduo (auch sie mussten stimmen), das Klassiker der Musikgeschichte auf Bayrisch umdichtete. Aus “Knockin’ on Heaven’s Door” wurde “Nackert vor da Himme’stür”, und das Publikum ließ sich kräftig einlullen. Mein Auftritt danach war hartes Brot. Wie soll man mit einem gänzlich musikalisch eingewickelten Publikum umgehen, wenn man danach nur sein angstrengend anzuhörendes Bühnenpoesieprogramm zum Besten zu geben zu hat? Ohne Gitarre, ohne Klavier? Ich habe selten so geschwitzt. Nein, noch nie, glaube ich.
Der Applaus war dann doch recht in Ordnung. Und die Schulterklopfer der Kollegen nachher waren erbaulich. Ich werde wohl nicht zum letzten Mal dort gewesen sein.
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Heiner, 24 Feb 2008 / Bilder, Reiseberichte
Prolog
München: Der IC fährt 10 Minuten zu spät ab und baut bis Ulm insgesamt 15 Minuten Verspätung auf. Lange befindet sich zu zweit im Abteil mit einer Zufallsbekanntschaft und unterhält sich mit ihr über Tapetenkratzen und die Bibel. Lange bringt seine Lieblingsbibelhypothese zum Besten: Das althebräische Wort für “Rippe” bedeutet auch “Penisknochen”. Dass Gott die Frau aus des Mannes Rippe schuf ist nicht richtig, vielmehr steht an dieser Stelle die naiv-wissenschaftliche Erklärung, warum der Mensch als beinahe einziges Säugetier keinen Penisknochen besitzt. [Anm: Das mit der Rippe wird am Schluss noch wichtig!]
Konstanz
Wegen der Verspätung verpasst Lange den Anschlusszug und gammelt eine Stunde im Ulm herulm. Langweiliger Bahnhof. Die Weiterfahrt führt über Friedrichshafen (30 Minuten Aufenthalt) endlich nach Konstanz, wo Lange nach fünfeinhalb statt viereinhalb Stunden Fahrt den brechend vollen Klimperkasten betritt. Das vermeintliche Backstage entpuppt sich als Raucherzimmer, man ist ja in BaWü. Dafür sind im Raucherhinterzimmer des Klimperkastens Boxen angebracht, die den Bühnenton transportieren – der Slam als Hörspiel, eine ganz neue Erfahrung. Und wie es die Schicksalsau will, wird Lange gleich als Erster gezogen, mimt vor angenehm aufmerksamem Publikum den Barbiepuppenköpfer und holt 25 Punkte. Dass dies bis zum Ende die höchste Punktzahl bleiben wird, ahnt er noch nicht, sondern grummelt während der nächsten Poeten erstmal kräftig vor sich hin, im Glauben, das Finale als Zuhörer erleben zu müssen. Moderator Matze B sorgt dafür, dass es letztendlich zum Fünferfinale kommt: Marguerite Meyer, Susi Stühlinger, Sarah Hakenberg, Patrick Armbruster und Lange. Letzterer beendet den Abend wie er ihn begonnen hat, mit Physik. Leider ist das Publikum schon zu überreizt für Butter, Landminen und Afrika, es reicht letztendlich für den zweiten Platz hinter Sarah, was Lange aber durchaus zufrieden stellt.
Als Schlafplatz dient wie letztes Mal der “Puff für Literaturwichser” (so der offizielle Slang der Kreuzlinger Taxifahrer), die Gaissberg-WG in der liebevoll verfallenen Sehraltbau-Villa. Mit tollem Frühstück. Das auch schwer nötig ist, wie sich noch herausstellt.
Epilog
Planmäßige Rückfahrzeit nach München: 4 Stunden. Tatsächliche Rückfahrzeit nach München: 6 Stunden. Kurz hinter Günzburg hat ein Springer ein Rendezvous mit einem Regionalzug: Zwei Stunden Warten in Günzburg. Verwirrte Szenen. Lange sonnt sich oberkörperfrei auf dem Bahnsteig und schnorrt Kippen, weil ihm langweilig ist. Obwohl er ja eigentlich garnicht raucht. Als der Intercity sich wieder in Bewegung setzt, rollt er gemächlich am Rest des Corpus Delicti vorbei. Der größte Teil ist abgedeckt, doch ein paar Fetzen Hirnbrei liegen noch verteilt herum. Und ein Stück Knochen, das frappierend an Rippe erinnert.
Bildergalerie Konstanz 23.02.08 (keine Angst, ohne Rippen!)
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Boom! Boom! Landshut boomt! Zumindest Publikumstechnisch, gestern absoluter Besucherrekord, es dürften wohl an die 60 Zuschauer gewesen sein. Wenn das so weitergeht, müssen wir wohl die Tische rausschmeißen… (frei nach Deichkind: “Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum Dancen!“)
Gestern war zudem der Abend der neuen Texte. Bumillo brachte seinen “Bock! Bock!”-Text zum ersten Mal im Wettbewerb, allerdings vom Blatt, was seiner Perfomance etwas abträglich war – er ist eben ein klassischer Auswendigperformer. Christian Ritter präsentierte seinen neuen Text “Wilfried”, den man wohl noch so einige Male zu hören bekommen wird – das Publikum war nämlich sehr überzeugt. Die beiden Landshuter Starter, Sebastian Stopfer und Sebastian Schönfeld (beide werden mit jedem Mal besser!), schlugen sich auch tapfer, letzterer holte sich mit einem schön performten Stück über Doppelmoral einen Punktegleichstand mit Bumillo, darum Dreierfinale. Furious Frank Klötgen ließ in seinem zweiten Block als featured Artist ebenfalls einen neuen Text namens “Katharsis” vom Stapel, ein sehr klassisch angehauchtes Stück.
Im Finale dann Bumillo im Kaufhausrausch. Da brannte die Luft, da zog der Mechanismus “Das Publikum treibt den Poeten zur Höchstleistung” sämtliche Register. Sebastian Schönfeld ergab sich in Fatalismus und trug sein Gedicht einfach auf Sächsisch vor – niemand verstand etwas, aber es klang lustig. Christian Ritter verzichtete, den Kaufhausrauschapplaus noch im Ohr, auch auf sein Vorhaben, einen neuen Text zu bringen, und setzte “Die Pimps der 1A” dagegen. Doppelsieg Bumillo-Ritter. Es half nichts. Auch der Stechapplaus brachte nur kaputte Trommelfelle hervor. Doppelsieg. Schön.
Hoffentlich kommen nächstes Mal wieder mehr Landshuter Poeten. Da gibts nämlich noch Einige. Die warten vermutlich auf den Tritt in den Hintern. Der Stiefel ist schon angezogen…
Bildergalerie Landshut 20.02.08
Oh, fast vergessen – die Popkulturuntersuchung läuft ja noch: Die beiden Doppelsieger brachten im Finale Texte, die beinahe zu 100% auf Popzitaten basieren. Die These erhärtet sich immer mehr.
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Heiner, 18 Feb 2008 / München
Gerade aus dem Vereinsheim zurückgekommen, von den Schwabinger Schaumschlägern. Julius Fischer und Michael Bittner waren zu Gast und haben tolle Texte (sowie in Julius’ Fall auch Songs) gebracht, die Lange allesamt noch nicht kannte. Auch die Stammleser Jaromir, Michael und Moses waren in guter Form. Und Mehmet Scholl hat Musik aufgelegt. Darum gibts jetzt hier gleich sofort ein tolles Lesebühnenpanorama aus dem Vereinsheim (draufklicken!).
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Heiner, 17 Feb 2008 / Kiezmeisterschaft, München
Watt’n Kiez, alter Schwede! Ko hat das ganze bereits treffend zusammengefasst. Was kann Lange da noch hinzufügen?
Langsam kommt mittleres Substanzfeeling im Wohnzimmer Stragula auf. An der Kasse bilden sich schon Schlangen. Die Leute sitzen vorne am Bühnenrand. Man könnte in München vermutlich mit Leichtigkeit einen dritten Slam eröffnen, ohne bei Kiezmeisterschaft und Substanz große Besucherzahleneinbrüche zu bemerken… man hätte dann vermutlich nur das Problem, genug Dichter zu finden.
Zum Abend noch ein zwei Gedanken: Als Lange in der Raucherpause draußen mit Markus Schmalzried spricht, deutet sich schon an, dass es für ihn ein denkwürdiger Auftritt werden wird. Zitat: “Irgendjemand muss ja das Niveau nach unten ziehen.” Als er dann auf der Bühne steht, ist er so unterirdisch, dass es mehr als wehtut. Die normalen Kategorien “Devise: Fremdschämen” und “Bitte aufhören!” reichen dafür schon nicht mehr. Lange verzieht sich aufs Klo und lacht, weil er nicht mehr kann. Nachher sagt man ihm, dass das Lachen doch sehr gut vernehmbar gewesen war… Schmalzried hält also mit 5,6 Punkten, die eigentlich noch zu viel sind, den aktuellen Kiez-Minusrekord, und das muss ihm erstmal jemand nachmachen.
Zu Langes Auftritt: Der neue Text (von Bumillo kurz als “Barbiepuppenköpfer” zusammengefasst) besteht seine Feuerprobe und bringt Lange zusammen mit den Gastleipziger Julius Fischer und Gastdresdener Michael Bittner ins Finale. Dort ist langeseits nur noch der quatschige Comictext in der Hosentasche, der aber doch wesentlich stärker eingeschlägt, als Lange das erwartet hätte. Den Sieg holt sich nach einer Jury-Nachwertung Michael Bittner, der einen sehr unabgenutzten Stil sein Eigen nennt, wie Lange findet. Mal schauen, was er heute im Vereinsheim davon noch zeigt.
Bildergalerie Kiezmeisterschaft 16.02.08
Oh, ein kleiner Nachtrag noch, um auf letzten Blogeintrag zu reagieren: Lange in der Vorrunde zweitmeiste Punkte, mit einem Text ohne Popzitat. Vor ihm der goldige Julius Fischer mit “Der neue Mensch”, ein fein arrangiertes Sammelsurium von Popzitaten. These also punktuell bestätigt.
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Heiner, 13 Feb 2008 / Lange Denkt
Heute morgen hatte es minus 3 Grad und ich bin mit dem Fahrrad gefahren. Dabei kam mir eine These in den Sinn, die ich durchaus für diskussionswürdig hielt (und die übrigens, für Fachleute, im alternierenden Rhythmus geschrieben ist):
Willst du nicht mehr auf Slams verlieren,
musst du Popkultur zitieren!Ausführung: Ich stelle hiermit die Behauptung auf, dass man auf Poetry Slams nur erfolgreich sein kann, wenn man dem Zuhörer eine ganz bestimmte Möglichkeit zur Identifikation gibt, nämlich das Popkulturzitat. (Mit Popkultur meine ich die Nicht-Hochkultur, also die Alltagskultur, die uns alle umgibt, eingeschlossen Fernsehen etc.) Dass eine Identifikation mit dem Text bzw. dem Slampoeten für Applaus- und Juryerfolg vonnöten ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Jeder, der mal auf einem Slam war, kann das bestätigen. Nun stelle ich allerdings die spezielle These auf, dass das auf Dauer einzig erfolgliche Identifikationsmittel die Popkultur ist. Wer der Meinung ist, man könne auch mit irgendwelchen artifiziellen Stilmitteln der herkömmlichen Dichtung (Transportierung von Gefühlen, Stimmungen etc.) oder mit Zitaten der Nichtpopkultur großen Erfolg auf Poetry Slams haben, der sehe sich nun mal die Reihe von Beispieltexten an, die hier nun folgt:
- Mischa-Sarim Verollet mit “Helga!” und “Slayer” [Popkultur zentraler Kern der Texte]
- Bumillo mit “Bavarian Stan” und “Kaufhausrausch” [gleicher Fall]
- Renato Kaiser mit diversen Texten (z.B. dem hier) [Gandalf, Monika Belucci, Jesus etc]
- Julius Fischer mit “Ich will Kunst machen” [Schlingensief, der ja auch Pop geworden ist]
- Lange mit “Mal” und “Wurst” (bei Texte wurden nur selten geschlagen, als ich sie noch öfter brachte) [Bob Ross, Fernsehen in der Nacht]
Unter dieser Überschrift will ich auch noch mal kurz mein erwartet schlechtes Abschneiden gegen Marc-Uwe Kling am Sonntag analysieren: Das popkulturell weniger schlagkräftige Backpacking verlor gegen die Popkulturüberwaffe Hitler, derer sich Marc-Uwe Kling bemächtigt (nein, nicht ERmächtigt, hehe) hatte. Dass er im Finale dann diesen Text aus Werbesloganwörtern, also 100% Popkultur, brachte und damit gewann, war nur konsequent.
Ich bitte um Diskussionbeiträge per Kommentar und natürlich auch um Gegenbeispiele. Und sollten diese Gegenbeispiele aus einem Slam bestehen, bei dem ein nicht-popkulturzitierender Text gegen ebenfalls nicht-popkulturzitierende Texte gewonnen hat, dann gelten sie für diese Diskussion nicht.
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Heiner, 11 Feb 2008 / München
In St. Gallen direkt nach Scharri (3. Platz im Finale 2007 im Admiralspalast) gelost worden, im Substanz nun direkt nach Marc-Uwe Kling (Sieger des SLAM2007). Lospech, pfuideifi. Und gegen Hitler verloren. Nee, nicht gegen Hitler, gegen Marc-Uwe Kling. Marc-Uwe Kling ist ja nicht Hitler. Aber er hat einen Text, in dem er Hitler imitiert. Und das hat den Leuten im Substanz gut gefallen. Also nicht die Hitlerimitation an sich, das wäre ja Quatsch, nein, der Umstand, dass Marc-Uwe den Hitler in der Hölle trifft und sich dort mit ihm unterhält und ihn zum Deppen macht. Und dabei seine Stimme hitlerisch verstellt. Das hat den Leuten gefallen. (Das hat den Leuten auch im Halbfinale des Slam 2007 [hier YouTube] so gut gefallen, dass er die meisten Punkte bekommen hat, ebenfalls direkt vor mir, also punktetechnisch, nicht lospositionsmäßig). Der Text zitiert übrigens das Lied “Flimmern” von den Goldenen Zitronen, aber das wissen vermutlich die Wenigsten.
Auf jeden Fall hat er dann im Finale dann doch noch den tollen Text aus dem Admiralspalastfinale gebracht, in dem er die ganzen Werbe-Wörter aufzählt (hier ein Youtube-Mitschnitt). Den hatte er seit damals nicht mehr gemacht, sagt er, und er hat dann damit auch den Substanz-Slam gewonnen, und das ist ja dann auch versöhnlich. Zumindest bin ich also gegen den Sieger in der Vorrunde rausgeflogen. Ändert nichts daran, dass das Substanz nicht mein Publikum ist. In fünf Auftritten noch nie ins Finale gekommen. Da werd ich wohl länger mal pausieren.
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Heiner, 08 Feb 2008 / Lange Denkt
Ich habe zwei Texte endlich fertig geschrieben, die so schauderlich-schaurig geworden sind, dass ich keine Ahnung habe, wann oder wo ich sie jemals, in dieser ach so erfolgsorientierten Bühnenliteraturwelt, präsentieren soll. Schauderlich-schaurig hat nichts mit Gruselei zu tun. Die Texte enthalten keine Gewaltphantasien, sie sind einfach nur komplett surrealistisch. Von surrealistischer Angehauchtheit zu sprechen wäre Untertreibung. Ich mag ja noch nichteinmal behaupten, dass sie ein großer Wurf geworden sind (das kann ich nicht beurteilen), ich weiß nur nicht, wann und wo ich sie jemals vortragen soll. Das wurmt mich ein wenig.
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Heiner, 03 Feb 2008 / Bilder, München, Reiseberichte
München, halb zehn Uhr morgens, Samstags. Lange radelt zu seiner Klausur, die Stadt ist wie ausgestorben. Niemand auf den Straßen, kein noch so leises Knoppersknuspern, das der Uhrzeit angemessen wäre, man könnte sich mit einem guten Buch auf die Straße setzen und kacken, ohne dass es jemand bemerken würde. Doch Lange hat Wichtigeres zu tun, denn als Naturwissenschaftler gibt es kein Wochenendleben, nein, da schreibt man auch mal am Samstag Klausur.
Nachmittags Abfahrt nach Sankt Gallen mit Homie Bumillo. Die Eurocity-Verbindung ist klasse, die altbackenen Brezen im Lindauer Bahnhof, wo der Zug 10 Minuten hält um zu stürzen, nicht. Die Grabenhalle ist schnell gefunden, viele bekannte Gesichter tröpfeln auch ein. Backstage mit Sofas, Bier, Chips und Kaffeemaschine – Herz, was begehrst du mehr! [Lunge mischt sich ein: Rauchverbot auch in der Schweiz!] Oh ja, es ist schon ein krasser Unterschied, den ganzen Abend durch blauen Dunst (in den sich an diesem Abend durchaus auch grüne Schwaden mischen, man ist ja schließlich in der Schweiz) zu wandeln oder durch Luft, die nach Menschen riecht.
Zum Slam: Der Losglücksgeist hatte sich offensichtlich mit der Seele des geschändeten Sankt Galler Stumpens (siehe gestrigen Eintrag) sozialisiert, wenn nicht sogar eine Äffare mit ihm gehabt. Lange direkt nach Scharri. Selbst wenn da Blumentöpfe gestanden hätten, sie wären nicht zu holen gewesen. Bumillo scheitert auch nur knapp am Finaleinzug. Den Doppelsieg holen sich Scharri und Stefan Abermann, letzterer mit einem sehr charmanten Text darüber, dass er immer Zweiter wird. Kurzer Tratsch-Einwurf: Bumillo, Abermann und Scharri in der dritten Staffel des WDR-Slams dabei.
Nach dem Slam: Im Hotelfernseher läuft “Der Mann mit dem goldenen Colt”. Das Bondgirl heißt Goodnight, der Abschlusskalauer ist absehbar: Bond telefoniert mit Chef, Chef will Goodnight sprechen, Bond wartet ein paar Sekunden, sagt “Good Night, Sir.” und legt auf.
Fazit: Mal wieder 6 Stunden unterwegs gewesen für 6 Minuten Bühnenruhm. Dafür im Zug Zeit gehabt, die Wochenendausgabe der Süddeutschen durchzulesen (welch Anachronismus, Zeitung lesen!). Perfekte Organisation seitens der Schweizer, sowas von perfekt und reibungslos, dass es schon fast beängstigend ist. Von einem Großteil der Schweizer Texte nichts verstanden, die müssen aber wohl recht lustig gewesen sein. Nächster Slam langeseits: Substanz 10.02. Bombenlineup!




