Wohlige Erinnerungen an letztes Mal: Was war das im Juni ein verspultes, krankes, geiles Wochenende… und was würde das wohl für ein verspulter Abend werden? Und was ist das gerade für ein langer Blogeintrag geworden?
Lange hatte ja Prioritäten gesetzt: Der Augsburg-Termin stand seit Monaten fest, dass für den Samstag danach eine Analysis-Klausur angesetzt wurde, durfte daran keinesfalls rütteln – Lange deklariert den Slam einfach als nötige Vorabendgeistesauflockerung. Gut, ein wenig Lernen auf der Hinfahrt war schon noch drin. Egal. An der Kresslesmühle angekommen erst mal nett Mod-Gott Horst Thieme gegrüßt und die beiden Beachrockerz, mit denen Lange im März die beste Wurst-Impro seines Lebens auf die Bretter gelegt hatte. Vorfreude: Vielleicht passiert ja etwas ganz unerwartet Bärenstarkes? Grohacke ist auch da, meint zu Lange, dass Lange ja prädestiniert für Musikbegleitung sei, Lange glaubt es auch.
Bei Horsts Anmoderation zeigt sich das Publikum überraschend unterkühlt. Feedback Fehlanzeige… komisch. Eigentlich ist alles wie sonst auch, aber wo ist die Stimmung? Bei der Testimpro mit den Beachrockers zeigen sich die Beiden ebenfalls noch nicht sehr warm. Die erste Dichterin des Abends heizt leider nicht ein, verschmäht die Beachrockers, die zweite Dichterin, Almoud Nitsch aus Nürnberg, bringt die Leute wenigstens zum Lachen: Ein Brief an den Nikolaus mit vielen klassischen Slam-Aufreihungen, nicht einmal Knut fehlt. Verdacht: Hat da vielleicht jemand von Michael Jakob abgeschrieben? Auch sie lässt die Beachrockers außen vor. Das will Lange ändern und gibt als musikalisches Thema “erdig” vor, mit Bassgitarre, und will dann “Backpacker” bringen. Ungünstigerweise programmiert Deniz einen recht statischen Beat, und der passt leider überhaupt nicht zu Langes Textrhythmus. Nach dem Intro also Lange: “Kann ich das ohne den statischen Beat haben?” Publikumssympathie sinkt. Erste Strophe. Von unten scheint es nicht schlecht zu klingen (so Horst im Nachhinein), aber Lange hat im Gegensatz zu den Beachrockers keinen Monitorsound, was ihn so verunsichert, dass er nach der ersten Strophe die Beachrockers abwürgt. Publikumssympathie im Keller. Devise: Text irgendwie zu Ende bringen, irgendwie… irgendwie war da der Wurm drin. Der Dichter nach Lange ist nochmal recht originell, bei der Abstimmung unterliegt er aber ebenfalls Almoud Nitsch.
Danach freestylt Deniz Khan. Dumm nur, dass er das Thema “Schlafwandeln” und “Radieschen” vorgesetzt bekommt, und irgendwie schafft er es nicht, einen guten Beat zu programmieren. Witzig ist er zwar trotzdem, der verrückter Kerl, aber auch er bringt nicht die nötige Hitze in den Raum. Da es danach eh schon spät ist, beschließt Lange (zum ersten Mal in seiner Karriere als Dichter) nach einem Vorrundenaus heimzufahren. Klausur ruft. Am Augsburger HBF hat der Zug Verspätung, gröhlende Fans und verschandelte Plakate kreuzen Langes Blicke.
Zurück am Münchener HBF: Lange wird mit seinem Fellkragenparka, nach unten gerichtetem Blick, schlurfendem Gang und zu imaginärem Beat tänzelnder Hand aufgehalten. “Verdachtsunabhängige Kontrolle”. Verdachtsunabhängige Kontrolle? Widerspruch? Klar: Wenn man mit Fellkragenparka, nach unten gerichtetem Blick, schlurfendem Gang und zu imaginärem Beat tänzelnder Hand von Zivilbeamten kontrolliert wird, das ist das gaaanz verdachtsunabhängig. Wie war das mit dem Grundsatz, dass niemand aufgrund seines Aussehens verdächtig sein sollte? Beamter: “Damit müssen sie aber rechnen, am Münchener HBF.” Lange: “Aha, jaja.” Beamter kramt nicht wirklich suchmotiviert (er hätte auch nichts gefunden) in Langes äußersten Parkataschen nach Illegalitäten, lässt Lange dann gehen. Irgendwo ist der Wurm drin an diesem Abend… Lange braucht dann nochmal 5 Minuten um sein vereistes Fahrradschloss aufzubekommen und bricht beinahe seinen Schlüssel ab.
Am nächsten Tag, nach der Analysis-Klausur, erfährt Lange, dass in Runde zwei Grohacke, der wohl auch nicht in Topform war, von Winston (der bald nach Landshut kommt, wenn er Zeit hat) übertrumpft wurde. Gewonnen hat Almoud Nitsch. Es stellt sich zudem heraus, dass Lange nur schwerlich den letzten Zug nach München geschafft hätte, wenn er bis zum Ende geblieben wäre. Nächstes Mal in Augsburg wird hoffentlich wieder so saustark wie die beiden Male davor…
Bildergalerie Augsburg Slam 14.12.07