• Heiner, 28 Dez 2007 /  Lange Denkt

    Ich habe gerade ein Buch gelesen. Das konnte ich, weil ich dank der tollen “zwischen den Jahren”-Jahreszeit Zeit zum Lesen habe. Das Buch ist von Iris Bahr und heißt auf deutsch “Moomlatz!”, ich habe die englische Originalversion gelesen, die den schönen Titel “Dork Whore” trägt, was so viel wie “depperte Hure” bedeutet. Es handelt als beinahe-Tatsachenbericht von Iris Bahrs Backpackertour durch Südostasien, auf welcher sie krampfhaft versucht, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Dabei lässt sie kein Backpackerklischee aus: Lonely-Planet-Geheimtipps, westliches Fastfood statt landestypischer Küche, jede Menge Drogen, ausschließlicher Kontakt mit anderen Backpackern und nicht mit den Bewohnern des jeweiligen Landes, und natürlich Sex über Sex über Sex, in ihrem Fall allerdings immer nur der Versuch dazu. Ich glaube, ich habe bisher noch kein Buch gelesen, in dem so viel von Masturbation und Darmparasiten stand, und das zugleich noch amüsant zu lesen war. Vielleicht war es aber gerade diese ausgeführte Körperlichkeit, die den besonderen Humor ausmachte…

    Das eigentlich Interessante daran ist allerdings der Grund, warum ich dieses Buch gelesen habe: Ich hatte ja letztens diesen Backpackertext (den man unter den Mitschnitten oder auf MySpace anhören kann) geschrieben, mit dem ich zur Zeit auf vielen Slams hausieren gehe. Und kurz später stieß ich auf gleich zwei Rezensionen dieses Buches, und dachte mir: Lange, das ist genau dein Buch! Und hatte recht. Zudem: Wer den Text für übertrieben oder unglaubwürdig hält oder meint, ihn nicht verstehen zu können, der möge dieses Buch lesen: Es ist ein Augenöffner. Und sehr kurzweilig geschrieben. Wer an englischen Wortwitzen Spaß hat, lese die Originalversion.

  • Heiner, 24 Dez 2007 /  Multimedia, München, Publicity

    Zwei Möglichkeiten gibt es, sich den ganz speziellen Lange.Slam.Weihnachtsgruß abzuholen:

    1. In Bayern leben, heute noch an den Kiosk gehen, die Süddeutsche kaufen und den München-Teil aufschlagen: Mit Foto und einigem Drumherum.

    2. Hierher gehen, lesen und anhören: Langes Evangelistenskizze bei sueddeutsche.de

    Dann feiert mal schön! Sollte es in den kommenden zwei Wochen slamtechnisch etwas zu berichten geben, wird dieser Eintrag vielleicht auch nicht ewig on top bleiben… aber das ist ungewiss, zumal ja keine Auftritte anstehen.

  • Heiner, 23 Dez 2007 /  Bilder, Lange Denkt, Reiseberichte

    Mit Ko und Rayl im Zug. Ko liest das Buch, dessen Titel in etwa “Die ungeschminkte Wahrheit über die New Yorker Slamszene” lauten dürfte, amüsiert sich köstlich und erzählt Lange zusammen mit Rayl abgefahrene Episoden über Miguel Algarins Besuch in München. Lange hört sich zudem noch das neue Album von Saul Williams an, das Rayl letztens rezensiert hat. Langes Meinung: Auf jeden Fall mal laden, anhören und Meinung bilden, alternativ laden, anhören und Meinung übernehmen.

    Zürich erweist sich als eine Lichterstadt. Da Lange zwei Stunden Zeit hat, schlendert er ein wenig durch Zürichs weihnachtlich beleuchtete Altstadt und lässt sich von der Lichterpracht plätten. Wahnsinn. Klimawandel ist da kein Thema, Glühen aller Orten, und schön. Dann kreuzt Lange noch den Weg einer hunderte Meter langen Lichtinstallation und ist minutenlang gebannt. Irgendwie beflügelt die Stadt, und sofern man jetzt schon Vorfreude auf dem SLAM 2008 anbringen darf, sei das hiermit geschehen. Das wird auf eine nochmals ganz andere Art und Weise geil werden, als es 2006 in München und 2007 in Berlin war, allein aufgrund der Stadt und ihres Flairs.

    Zurück im Schiffbau, der etwas außerhalb, innerhalb des Techoparks liegt. Die Lichtstimmung außerhalb wie innerhalb ist die gleiche, die schon im September im XTRA herrschte: Leicht ins kalte verschobene Grundfarben (vor allem türkis und violett), die irgendwie, wenn man Farben so beurteilen darf, “spannend” wirken. (draufklicken)

    Der Slam selbst: Cool, macht Spaß. Dari Hunziker (die Lange zum ersten Mal als Poetin sieht) bewegt, Abstral Compost ist ne verrückte Tomate, Ivo Engeler ist ein Wahnsinniger, Renato Kaiser gut wie immer, Laurin Buser souverän aber zündet nicht so recht, Etrit ist schematisch aber witzig, Christoph Simon, der Lange bereits in Feldkirch in seiner bescheidenen Manier ausstach, ist abgefahren, Sarah aus Zürich spricht Englisch. Englisch spricht auch Kealoha, der hawaiianische featured Poet, der eigentlich mit Lange das Zimmer teilen sollte, aber irgendwie verscholl. Das Finale erreicht Lange nicht, er überlegt im Moment noch, ob er sich grämen soll, dass er die letztens aufgestellte Prämisse, bei Applausabstimmung nur noch Humoriges zu bringen, mit “Die Woche” selbst gebrochen hat… Christoph Simon und der ausnahmsweise politische, “gereifte Renato Kaiser” (so Ko auf der Bühne) holen sich den Doppelsieg. Wen Details interessieren, der lese es bei Ko nach.

    Aufwachen im Etap-Hotel: Kein Anzeichen, in welcher Stadt Lange sich befindet, und das Zimmer zeigt in den Hof. Kealoha fehlt auch, der sollte eigentlich da sein. Merkwürdig. Als Rückweg wählt Lange einen Umweg mit dem Eurocity “Transalpin”, der durch Vorarlberg und das Inntal Richtung Wien fährt. Verschneite Winterlandschaften, Romantik pur. Der Zug besitzt in der 1. Klasse sogar einen Panoramawagen, da Lange aber zweiter Klasse fährt, macht er es sich im Speisewagen bequem und trinkt Tee. Tee, wie ihn Maik Martschinkowsky lieben würde: Aus ganzen Blättern, mit 70 Grad heißem Wasser. Edel.

    Das Lange.Slam.Jahr ist hiermit zu Ende (hach….). Morgen gibts aber noch einen ganz speziellen Weihnachtsgruß, seid gespannt!

    Bildergalerie Zürich Schiffbauslam 22.12.07

  • Heiner, 21 Dez 2007 /  Reiseberichte

    Auf der Fahrt nach Nürnberg Bumillo ein wenig Physik erklärt: Wenn ein Zug von Süden nach Norden fährt, erfährt er wegen seiner Radialgeschwindigkeit bezüglich der Erddrehung eine seitlich wirkende Kraft, die Corioliskraft, und drückt dadurch auf einer Seite stärker auf die Schienen als auf der Anderen. Weder er noch Lange merken etwas davon.

    In Nürnberg ist das K4 rappelvoll und die Leute sind aufgedreht. Die Jury nicht. Selten erlebt Lange, der ja eigentlich ein Verfechter der Jurywertung ist, so eine Klischeejury: Hört nicht auf Applauslautstärke des Publikums und gibt zum Ende hin nachweislich extrem steigende Noten. Darunter leiden Ritter, der das ganze in seinem Blog trefflich als Favoritensterben bezeichnet, und Lange, denn beiden wird der angepeilte (und von Vielen beinahe schon erwartete) Finaleinzug verwehrt. Und nichtmal Martin Geier, der übrigens immer besser wird und im Februar mit weiteren Franken zum Poetry Slam Landshut kommt, kommt trotz hoher Wertung nicht ins Finale, weil er als Erster gezogen wird.

    Im Finale treffen dann Felix Brenner (der sich, ebenso wie sein Schreibstöff-Teampartner Nils Rusche, solo stark gemacht hat) sowie Axel Horndasch aufeinander und holen sich, ganz Nürnberg-untypisch, einen Doppelsieg, weil das glühweingeschwängerte Publikum sich nicht entscheiden mag.

    Bilder: Leider nein. Mitschnitt in der Mitschnittsektion (unterster Track) und auf MySpace… höhö. Was hat Lange da noch herumgeklickt und Freunde gesammelt, übelst. Am Samstag Slam in Zürich im Schiffbau, Sonntag vermutlich auch Bericht. Und am Montag dann bisher größte Veröffentlichung (zusammen mit Misanthrop und Bumillo) im Münchenteil der SZ, mit einem auf der Hackerbrücke sitzenden Lange.

  • Heiner, 20 Dez 2007 /  Publicity

    Angestachelt von Bumillo s MySpace-Offensive hat Lange sich endlich ein frisches MySpace-Musiker-Profil zugelegt. Wer Lange unter seinem alten Profil “geaddet” hatte, möge die alte Freundschaft bitte löschen und das neue Profil “adden”.

    Als ob man über 100 echte “Freunde” haben könnte… aber was macht man nicht alles, um in der schönen neuen Welt 2.0 im Gespräch zu bleiben. Nichtsdestotrotz wird es auch zukünftig im Lange.Slam.Blog keine Einträge der Art “Habe mich heute morgen beim Rasieren geschnitten” geben. Und wenn, dann sind diese in Reiseberichten verpackt. Da fällt Lange ein: Er sollte sich vor dem Slam heute Abend in Nürnberg noch rasieren. Aus Angst vor heraufbeschwörten Schnittereien wird es es aber wohl bleiben lassen.

  • Heiner, 19 Dez 2007 /  Bilder, Reiseberichte

    Dienstagnachmittag, München: Lange erkennt im Tutorium zur “Rechenmethoden der theoretischen Physik”, dass Friedrich Gauss tatsächlich ne geile Sau war. Wer “Die Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann noch nicht verschenkt hat (darin kommt Gauss vor), nehme das als Last-Minute-Geschenktipp.

    Dienstagabend: Lange kommt in Bamberg in der WG von Nils an, es gesellen sich Felix Brenner und Christian Ritter hinzu, man isst Bratkartoffeln, trinkt Wein und erzählt sich den neusten Szene-Tratsch. Der Weg ins Odeon-Kino, wo der Weihnachtsspecialslam (anstatt im kultig-siffig-kalten Morph-Club) stattfindet, erstreckt sich auf 10 Meter: Nils wohnt direkt im Nebenhaus, was’n Service! Das Kino selbst: Angenehmst. Ja, angenehmst. Gemütliche Sessel, Getränkeablage, rötliches Licht (man erzählt Lange, es sei wohl auch mal ein Porno-Kino gewesen…), volles Haus mit knapp 200 Zuschauern. Es spielt eine Impro-Band mit einem Trompeter und einem Beatboxer, der seine eigene Stimme zu Beats samplet. Lange, der featured Poet des Abends, eröffnet mit “Mal” und “Backpacker”, und die Resonanz bzw. das subjektive Bühnengefühl ist klasse.

    Nora Gomringer moderiert beinahe unheimlich aufgedreht und gut gelaunt, es gibt Geschenke (Rasierpinsel, Nelken etc.) für jeden Dichter, und es klappen so einige Kinnladen ob der skurrilen Texte. Im Vergleich zu dem, was man so auf der Kiezmeisterschaft oder anderen “rein lokalen” Slams sieht, ist das, was im Bamberg so geboten wird, um es denglisch auszudrücke, echt crazy mutiger stuff. Abgedrehte Storys, witzige Rapper, avantgardistischer Unfug, starke Frauen, ein iranischer Dichter mit Nora als Übersetzerin… Lange lacht Tränen und amüsiert sich wie Sau. Zweiter Block als featured geht auch gut über die Bühne, die meisten Schokomünzen (so wird abgestimmt) bekommt am Ende Felix Brenner für eine klasse Story mit Tiefgang, und als das Publikum, anscheinend etwas überfordert von der räumlichen Enge bei der Abstimmung bereits den Saal verlässt, erklärt Nora spontan alle zu Siegern. Wie lieb, wie weihnachtlich, hihi :)

    Am Mittwochmorgen (Christian Ritter muss wohl noch bis spät in die Nacht gezockt haben) zieht Lange seinen verwegenen Plan durch: 7:45 Uhr Bamberg ICE – 9:40 Uhr München, 10 Uhr Vorlesung. Der Professor spricht wieder über Gauss und Lange ist trotz wenig Schlaf aufnahmefähig. Fazit: Der Auftritt hat so richtig gutgetan.

    Bildergalerie Bamberg 18.12.07

  • Heiner, 16 Dez 2007 /  Bilder, Kiezmeisterschaft, Multimedia, München

    Richtig gut wars. Eine so richtig gute, durchgegarte, knusprige Kiezmeisterschaft. Poeten von Schülern bis hin zu rüstigeren Kalibern, anständig viele Frauen, viele neue Gesichter, viele alte Bekannte. Sogar neue Technik war am Start: Felix Bonke hatte eine gut funktionierende Punktetabelle programmiert, die wir, Meisterschafts-like (ist ja schließlich die Kiezmeisterschaft), an die Wand projizieren konnten.

    Björn Dunne verpasste leider, trotz seines tollen Textes “Von Brieftauben und Greifvögeln”, das Finale als Punktvierter, den Sieg holte sich Grög gegen die Titelverteidigerin Verena Richter und den sehr amüsanten Rudi Lössl aus Puchheim. Insgesamt satte 13 Dichter auf der offenen Liste (hach, wäre das doch immer so!), das Stragula gut gefüllt, und ich durfte die ganze runde Sache als Kassenwart einfach nur auf mich wirken lassen. Es scheint, dass die richtige Kiezmeisterschaftssaison erst im Dezember (als auch 2006 mein erster Auftritt dort wart) beginnt. Hoffentlich hält sich diese Welle eine Weile!

    Bildergalerie Kiezmeisterschaft 15.12.07

  • Heiner, 15 Dez 2007 /  Bilder, Lange Denkt, Reiseberichte

    Wohlige Erinnerungen an letztes Mal: Was war das im Juni ein verspultes, krankes, geiles Wochenende… und was würde das wohl für ein verspulter Abend werden? Und was ist das gerade für ein langer Blogeintrag geworden?

    Lange hatte ja Prioritäten gesetzt: Der Augsburg-Termin stand seit Monaten fest, dass für den Samstag danach eine Analysis-Klausur angesetzt wurde, durfte daran keinesfalls rütteln – Lange deklariert den Slam einfach als nötige Vorabendgeistesauflockerung. Gut, ein wenig Lernen auf der Hinfahrt war schon noch drin. Egal. An der Kresslesmühle angekommen erst mal nett Mod-Gott Horst Thieme gegrüßt und die beiden Beachrockerz, mit denen Lange im März die beste Wurst-Impro seines Lebens auf die Bretter gelegt hatte. Vorfreude: Vielleicht passiert ja etwas ganz unerwartet Bärenstarkes? Grohacke ist auch da, meint zu Lange, dass Lange ja prädestiniert für Musikbegleitung sei, Lange glaubt es auch.

    Bei Horsts Anmoderation zeigt sich das Publikum überraschend unterkühlt. Feedback Fehlanzeige… komisch. Eigentlich ist alles wie sonst auch, aber wo ist die Stimmung? Bei der Testimpro mit den Beachrockers zeigen sich die Beiden ebenfalls noch nicht sehr warm. Die erste Dichterin des Abends heizt leider nicht ein, verschmäht die Beachrockers, die zweite Dichterin, Almoud Nitsch aus Nürnberg, bringt die Leute wenigstens zum Lachen: Ein Brief an den Nikolaus mit vielen klassischen Slam-Aufreihungen, nicht einmal Knut fehlt. Verdacht: Hat da vielleicht jemand von Michael Jakob abgeschrieben? Auch sie lässt die Beachrockers außen vor. Das will Lange ändern und gibt als musikalisches Thema “erdig” vor, mit Bassgitarre, und will dann “Backpacker” bringen. Ungünstigerweise programmiert Deniz einen recht statischen Beat, und der passt leider überhaupt nicht zu Langes Textrhythmus. Nach dem Intro also Lange: “Kann ich das ohne den statischen Beat haben?” Publikumssympathie sinkt. Erste Strophe. Von unten scheint es nicht schlecht zu klingen (so Horst im Nachhinein), aber Lange hat im Gegensatz zu den Beachrockers keinen Monitorsound, was ihn so verunsichert, dass er nach der ersten Strophe die Beachrockers abwürgt. Publikumssympathie im Keller. Devise: Text irgendwie zu Ende bringen, irgendwie… irgendwie war da der Wurm drin. Der Dichter nach Lange ist nochmal recht originell, bei der Abstimmung unterliegt er aber ebenfalls Almoud Nitsch.

    Danach freestylt Deniz Khan. Dumm nur, dass er das Thema “Schlafwandeln” und “Radieschen” vorgesetzt bekommt, und irgendwie schafft er es nicht, einen guten Beat zu programmieren. Witzig ist er zwar trotzdem, der verrückter Kerl, aber auch er bringt nicht die nötige Hitze in den Raum. Da es danach eh schon spät ist, beschließt Lange (zum ersten Mal in seiner Karriere als Dichter) nach einem Vorrundenaus heimzufahren. Klausur ruft. Am Augsburger HBF hat der Zug Verspätung, gröhlende Fans und verschandelte Plakate kreuzen Langes Blicke.

    Zurück am Münchener HBF: Lange wird mit seinem Fellkragenparka, nach unten gerichtetem Blick, schlurfendem Gang und zu imaginärem Beat tänzelnder Hand aufgehalten. “Verdachtsunabhängige Kontrolle”. Verdachtsunabhängige Kontrolle? Widerspruch? Klar: Wenn man mit Fellkragenparka, nach unten gerichtetem Blick, schlurfendem Gang und zu imaginärem Beat tänzelnder Hand von Zivilbeamten kontrolliert wird, das ist das gaaanz verdachtsunabhängig. Wie war das mit dem Grundsatz, dass niemand aufgrund seines Aussehens verdächtig sein sollte? Beamter: “Damit müssen sie aber rechnen, am Münchener HBF.” Lange: “Aha, jaja.” Beamter kramt nicht wirklich suchmotiviert (er hätte auch nichts gefunden) in Langes äußersten Parkataschen nach Illegalitäten, lässt Lange dann gehen. Irgendwo ist der Wurm drin an diesem Abend… Lange braucht dann nochmal 5 Minuten um sein vereistes Fahrradschloss aufzubekommen und bricht beinahe seinen Schlüssel ab.

    Am nächsten Tag, nach der Analysis-Klausur, erfährt Lange, dass in Runde zwei Grohacke, der wohl auch nicht in Topform war, von Winston (der bald nach Landshut kommt, wenn er Zeit hat) übertrumpft wurde. Gewonnen hat Almoud Nitsch. Es stellt sich zudem heraus, dass Lange nur schwerlich den letzten Zug nach München geschafft hätte, wenn er bis zum Ende geblieben wäre. Nächstes Mal in Augsburg wird hoffentlich wieder so saustark wie die beiden Male davor…

    Bildergalerie Augsburg Slam 14.12.07

  • Heiner, 13 Dez 2007 /  Bilder, Landshut

    Am Münchener HBF Stefan Abermann aus Innsbruck aufgegabelt und mit der Bummelbahn nach Landshut gefahren, zusammen mit ebenfalls (wie Lange) Exil-Landshuter Sepp. Im Zug einiges an Gerede: Österreich hat ganz klar die besseren Handytelefonierpreise, Helge Schneiders Texas ist Gott und die Band “Japanische Kampfhörspiele” ist verrückt. So.

    In Landshut angekommen nimmt das Bangen, ob man die Liste füllen kann, ein Ende: Es haben sich tatsächlich 5 Landshuter (alle unter 20, erstaunlicherweise) eingeschrieben. Da Marta D. Bednarczyk aus Nürnberg krankerweise abgesagt hat, ist Stefan der einzige auswärtige und zudem eben auch Slamprofi. Lange und Langer nutzen diese Chance und platzieren ihn spontan als featured Artist des Abends, was u.A. den Vorteil hat, dass er mehr als zwei Texte lesen kann und somit den Landshuter Dichtern eine Art “Stil-Vorbild” sein kann. So wie das Michael Jakob in Ansbach auch macht. Es funktioniert, Stefan zeigt absolute Höchstleistung (Lange kann das einschätzen, er hat Abermann ja schon öfter gesehen) und die knapp 35 Leute gehen ab wie Schnitzel. Gut, gut.

    Im Wettbewerb setzen sich Julia Prechsl, die ein paar Monate zuvor an einem Workshop von Jaromir Konecny an Langes ehemaligem Gymnasium teilgenommen hat, und Sebastian Schönfeld an die Spitze und ziehen ins Finale ein. Sehr interessant in der Vorrunde auch Frank Feuerlein, der einfach mal das Mikro aus der Halterung nimmt, im Publikum umherspaziert und auf Leute zeigt… mutig auf jeden Fall. Reicht aber leider nicht, ebenso wie bei Olga Drewitz und Mario Zollitsch, aber irgendwo muss man ja die Punktegrenze setzen, damit die Regeln ziehen. Julia Prechsl erweitert den Punktesieg der Vorrunde auf einen Applaussieg im Finale und gewinnt – Gratulation!

    Nach dem Slam fährt Lange allein nach München zurück, Stefan Abermann verbleibt noch in Landshut. Mal schauen, ob es da noch interessante Geschichten im Nachhinein zu erzählen geben wird…

    Es bleibt zu hoffen, dass diese Dezemberausgabe des Landshuter Poetry Slam ein erfolgreiches Stück Nachwuchsarbeit war und wir in den nächsten Monaten verstärkt Landshuter Gesichter auf der Bühne sehen. Zumindest für Poeten von außerhalb ist schonmal gesorgt, wenn man sich die Liste ansieht.

    Bildergalerie Landshut 12.12.07

  • Heiner, 10 Dez 2007 /  München

    Hui, das erste Mal seit dem National 2006, dass ich im Substanz nur Zuschauer war. Zudem stand ich ganz hinten am Büchertisch, was aber auch lustig war, da ich zusammen mit Bumillo den Poetry-Hooligan, der in mir schlummert, knallhart rauslassen konnte.

    Der nun mehr oder weniger wieder gesundete Philipp “Scharri” Scharrenberg holte sich knallhart den Sieg der ersten Runde, was für ein Kessel, das Substanz. Ich bekomme das ja sonst immer nur am Dichtertisch in der Menge sitzend mit, aber diese johlende Menge von fast 400 Leuten von hinten zu beobachten und zu hören hat einen ganz besonderen Reiz! Zudem brachte Scharri in der Vorrunde den einzigen Text von ihm, den ich noch nicht kannte, über das Verb, das gerne ein Nomen wäre (war das richtig herum?) und ich muss sagen: Der Text ist so gut wie alle seine anderen… schade nur für Pauline Füg und Franziska Holzheimer, die mit ihren leiseren Texten gegen Scharri chancenlos waren. Felix Bonke, der aus dem Westend-ist-Kiez-Buch (empfehlenswert!) las, hatte zwar große Lacher, aber es reichte dann doch nicht.

    Runde zwei eröffnete Mischa (wiederum solo, weil “Katze” Schuster ja bereits am Samstag in Landsberg abgesagt hatte) mit seinem wunderbaren “Helga!”-Text, den ich zwar schon kannte, aber nun vor allem die Publikumsreaktionen auf mich wirken lassen konnte, und die waren gewaltig, alter Schwede! Rundensieg lag in der Luft und war am Ende auch sehr deutlich. Sarah Hakenberg kam da nicht ran, Henning Pulß auch nicht, Björn Dunne brachte wiederum einen wunderschönen Text, der aber vermutlich nicht lustig genug war, und Tommy Tesfu… Tommy brachte ein Spoken-Word-Piece: Perfomancetechnisch erste Sahne, aber worum es ging, das wollte mir nicht in den Sinn gehen, und ich bin mir auch nicht sicher, ob es das überhaupt sollte. Hm. Interessante Herangehensweise seinerseits an die Form der Wettbewerbsdichtung – ich bin gespannt, wie er sich weiterentwickelt, seine alten Texte habe ich nämlich immer verstanden.

    Zum Finale: Bumillo und ich überlegten, Wetten abzuschließen, und konnten uns nicht zwischen Doppelsieg und Scharri-Solosieg entscheiden. Zum Glück für Mischa, der nun nicht auf zwei zweiten Plätzen in Folge sitzend bleiben muss, kam es dann zum Doppelsieg, der dem Abend letzendlich die Krone aufsetzte: Solch endorphindurchpumpte, strahlende Sieger sieht man selten!

    Nachtrag: Neu-Blogger Lestarte hat sich die Arbeit gemacht, sämtliche Beiträge des Abends mitzuschneiden und in seinem Blog veröffentlicht.