• Heiner, 28 Okt 2007 /  Bilder, Lange Denkt, Reiseberichte

    Nein, so weit soll es nicht kommen. Weniger Auftritte in nächster Zeit wegen Studium: Naja, leider. Die wenigen Auftritte dann auch noch unbebloggt lassen: Das würde sich wahrlich nicht gehören. Lange sieht sich da ja auch irgendwie in der Verantwortung – in welcher auch immer. Hauptsache Verantwortung. Ist er doch innerhalb sehr kurzer Zeit vom vagabundierenden schmarotzenden Dichter zum Exil-Landshuter (die Großstadt macht Lange schrecklich arrogant, darunter leidet er selbst), Studenten (Physik? Wie kann man nur Physik studieren?), Behördengangsprofi (Bürgerbüro, Stadtwerke, Versicherungen, Finanzamt, div. andere), Experte für die Erkenntnis, dass Telefonfirmen Arschlöcher sind (auch wenn man Telefonfirmen schwerlich als “Arschlöcher” bezeichnen kann – wenn sie keine wären, hätte Lange nach mittlerweile 6 Wochen Wartezeit endlich Internet daheim) und zum Lampenmontagekönner (die Anleitung sagte, ein Elektrofachmann soll das machen, aber Lange und sein Phasenprüfschraubenzieher konnten das auch ganz gut) geworden. Welch Wurm. Fort, Satz, Fort! Was hatte das jetzt mit “Verantwortung” zu tun? Mehr Jandl, bitte. Hiermit wäre die Überleitung zum Auftritt am Freitag in Österreich geschafft, ein kurzer Synapsenapplaus sei angebracht.

    Innsbruck

    Langes zweiter Besuch im Innsbrucker Bierstindl, diesmal unter weniger widrigen Umständen: Kein Fahrrad dabei, man fährt ja Bahn und sammelt Bahncardbahnfahrboni, obwohl man gegen Letzteres selber hetzt. Konsequenz? Ist gerade auf dem Lokus, kommt gleich wieder. Ungewohnter Blogschreibstil? Die Lektüre von Markus Köhles “Brahmskoller” zeigt Spu. Renn mir nicht davon, Satzbau, klar! Wo. Stehengeblieben? Weiter.

    Fragmente des Abends: Lange kommt relativ knapp ins 6er-Finale, belegt dort allerdings dann den zweiten Platz, hinter Stefan Abermann, von dem Lange endlich neue Texte hören darf. Letzterer Kommentar ist eigentlich ziemlich unnötig, aber irgendwie hat sich zwischen Lange und Abermann ein gewisser Running-Gag etabliert, Abermann möge doch bitte möglichst viele unterschiedliche Texte lesen, wenn Lange zuhört. Aber ist ja auch ne nette Sache, und seine neuen Texte, besonders seine Variation des eigentlich allzu bekannten “Text-Textes” ist im Abgang erstaunlich erfrischend. “Die orale Erotik des Konsums” (Langes Finaltext) funktioniert mit oralen Spielereien am Mikrofon dann doch ein wenig besser, in Innsbruck gibt es aber keines. Das ist einerseits schön, weil man mit seinem naturgewachsenen Organ angeben kann und das Publikum bei leiseren Dichtern angenehmerweise zu konzentrierterem Hören genötigt ist, andererseits schränkt es die Performance ein wenig ein. Aber sollte die einzige Berichterstattung über Innsbruck sein, dass es kein Mikrofon gibt? Nein. So sollte Lange noch mindestens zwei Dichter des Abends weiter erwähnen: Boscht, der Nieder-Oberbayer-Tiroler, der beinahe nur aufgrund seiner kabarettistischen 4-Minutenansage ins Finale kommt (der eigentliche Text belegte vielleicht 30 Sekunden) und der sympathische Innsbrucker Kauz “Güle G. Lerch”, der die Genderproblematik mit einem “Na, where is he then?” und “Na, where is she then?” wunderbar illustriert. Für den Blogleser unverständlich? Möglich. Aber wer aus der hier lesenden Dichterriege mehr herausfinden will, möge sich nach Innsbruck bewegen: Es lohnt ungemein, und Lange hat sich sehr gefreut, wieder dort auf der Bühne gestanden haben zu dürfen!

    Randbemerkung zum Schluss, 1: Der Preis für seinen zweiten Platz, anlässlich des Nationalfeiertags “Tag der Fahne” in Österreich: Eine Medaille des 1976er “Fit-Lauf und Marsch”, die mittlerweile in Langes Zimmer hängt.
    Randbemerkung zum Schluss, 2: Regionalzüge, die oft halten, profitieren sehr von einer hohen Beschleunigungskraft – der Beweis liegt irgendwo zwischen Sumatra und physikalischen Bewegungsgleichungen. Wenn die DB-Regio Bayern anstatt der Kombination Lok+Klapperwägen so schlau wäre wie die ÖBB und auf der Strecke Landshut-München im Regionalbahnbetrieb Triebzüge mit hoher Beschleunigung einsetzen würde, wäre ein Großteil der Verspätungen hinfort. Österreich also wieder mal an der Spitze, Deutschland, Bahn, setzen, 5 minus.

    Bildergalerie Innsbruck 26.10.07

  • Heiner, 25 Okt 2007 /  Landshut, Lange Denkt

    Einziges Bangen bestätigt: EIN einziger Dichter war gekommen, sich auf die offene Liste zu schreiben. (Anmerkung: Blog heute als “Ich”). Die sich eigentlich angekündigt habenden Teilnehmer des Konecnyschen Slamworkshops vom Carossa-Gymnasium schwänzten ohne Entschuldigung. Das System musste also auf die Hälfte verknappt werden: Eine einzige Vorrunde, die zwei Punktbesten ins Stechen. Zumindest das Foyer war gut gefüllt – zwar nicht so gut, dass jemand hätte stehen müssen, aber so 40 Leute waren es dann doch. Das Abstimmungssystem der Vorrunde (Gruppenwertungskarten mit A- und B-Note) hat sehr gut funktioniert.

    Zum Inhalt: Im Finale fanden sich Anatol aus Regensburg und Tobi Zettl aus München/Exil-Landshut wieder. Zwei junge schlaksige Kerle mit Texten, die nicht typisch Slam waren, sondern eben subjektiv und gefühlsbeinhaltend. Anatol war dann einen Zacken besser und gewann sehr verdienth (Gratulation nochmals hier an dieser Stelle!).

    Fazit und Ausblick

    Die Moderation und Organisation zusammen mit Samuel lief fürs erste Mal gut. Kann aber noch besser werden. Die Füllung der Dichterliste mit 5 von 10 möglichen Plätzen lief schlecht, kann aber noch besser werden. Die Stimmung im Publikum war ordentlich, kann aber mit mehr Dichtern noch besser werden. Pilotfolge also geglückt, wenn auch nicht innerhalb des möglichen Maximums.

    Ausblick also: Kann und wird besser werden. Ist ja jetzt jeden Monat, das wird sich einspielen.

    Fotos vom Abend: Keine schönen, darum keine. Nächstes Mal wieder.

    Ausblick auf den Blog: In Anbetracht der Tatsache, dass ich jetzt seit zwei Wochen studiere und daheim auf lange Zeit kein Internet haben werde (nur in der Uni), könnte es sein, dass ich über das Showcase heute Abend in der Schauburg und den Slam morgen Abend in Innsbruck nichts berichten kann. Zeitmangel. Die Uni drückt mit aller Kraft in den Terminkalender. Werde ich überhaupt noch Auftritte außerhalb haben? In nächster Zeit wohl nur sehr sporadisch oder garnicht. Wenn überhaupt, dann nur am Wochenende. Gammelige Scheiße!

  • Heiner, 24 Okt 2007 /  Landshut

    Heute Abend: Debut des neuen Poetry Slam in Landshut, von Lange und Langer moderiert. Infos beim Link. Das wird spitzenspaßig!

    Einziges Bangen: Kommen 6 Leute, die sich auf die offene Liste setzen lassen? Ist Landshut mutiger als München? Hoffentlich. Falls, und auch falls nicht: Morgen dann der Bericht.

  • Heiner, 22 Okt 2007 /  Kiezmeisterschaft, Multimedia

    Ausgangslage (jedes Mal, wenn Lange dieses Wort hört, muss er an den Kollegen Vetter denken): Lange kassiert. Und wie charmant er das macht… jeder Zuschauer, der kommt, verliebt sich vermutlich spontan in ihn. Und im Gegensatz zu den leeren Sommermonaten ist das Stragula sogar wieder gut gefüllt. Nur eben die Poetenliste nicht. 5 Leute. Ko schreibt Lange auf die Liste. Na toll, also doch heute Slammen. Aber egal, man muss ja warm bleiben. Nebenbei: Der Beweis, dass Lange nicht vorhatte, aufzutreten, kann allein schon dadurch erbracht werden, dass er kein Dichterlange-Shirt anhat, sondern das ebenfalls selbstgedruckte “10t auf Comicvogel”-Shirt. Leider bleibt es bei 6 Leuten (an dieser Stelle ein Aufruf an alle Münchener Poeten: Traut euch mal wieder!), darum also wieder das System der zwei Runden mit zu addierender Punktzahl.

    In der ersten Runde geschieht etwas Lustiges: Der von der Jury leider viel zu oft unverstandene, heute aber saustarke Ernst Froh (am 21.11. November hoffentlich in Landshut auf der Bühne) sowie Lange bekommen beide 27,2 Punkte. Ernst Froh liest dabei die charmante und wesentlich bessere “Wenn ich Amateur wäre”-Variante von Tilman Dörings “Wenn ich Profi wäre” (mit welcher Letzterer sich in Köln anscheinend gegen wahre Profis wie Kling durchgesetzt hat…). Mimi Meister bringt den Text, den am Abend zuvor die Zuschauer in der Halle-Lu-Ja-Halle in Köln hören durften, und holt 27,3.

    Zum Beginn von Runde zwei muss der im Stragula leider ebenfalls konstant unterbewertete Mani Eder anfangen, ergibt sich in Fatalismus und präsentiert dem Publikum schaurigschöne Herbstverse wie “Man könnte urinier’n in Bratensoßen / und Leute vor die U-Bahn stoßen / Den Pfarrer filmen ganz versteckt / wie er zwei Minestranten deckt / Dann hurtig auf den Schulhof laufen / Die Fotos an die Kids verkaufen”. Lange will sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, slammt “Die Woche” (der Text braucht vielleicht mal wieder Live-Pause, damit er nicht abnutzt) und holt wiederum 27,2, Ernst Froh und Mimi Meister knapp dahinter, Lange also wiederum Kiezmeister. Es scheint sich als Regel herauszustellen, dass Kiez-Teammitglieder gewinnen, wenn sie notgedrungen auftreten müssen… hoffentlich, hoffentlich wird Lange seine zukünftigen Workshopteilnehmer dazu bringen können, so früh wie möglich auf die Bühne zu gehen und dem Listengähnen ein Ende zu bereiten.

    Als Ausgleich dafür, dass Lange mangels Lust keine Fotos gemacht hat, gibt es nun endlich Live-Mitschnitte von frischen Texten: “Fahrenheit 109″ (das war, nebenbei erwähnt, eine Textpremiere, und war in Langes Überlegung für den WDR) und “Die Woche”, die im Player der Mitschnitt-Sektion ab jetzt zu finden sind, sowie auf Langes MySpace-Seite, die leider allzu lange unter Nichtaktualisierung gelitten hat.

  • Heiner, 21 Okt 2007 /  Bilder, Reiseberichte

    Müdigkeit. Gemütlichkeit? Lounge Lizards.

    Die Fahrt nach Regensburg im überfüllten Regionalexpress Richtung Prag zu 80% durchgeschlafen. Danach geht es. In der Vorrunde liest Lange seit Längerem mal wieder “Die orale Erotik des Konsums”, mit einem kleinen Versuch: Wie reagiert das Publikum, wenn man versucht, seinen Text auswendig zu bringen, dann aber stockt und mit einem charmanten Kommentar das Textblatt aus der Hosentasche zieht? Ergebnis: Erzeugt große Sympathie, dieses Stilmittel wird Lange sich merken, hühü… So kommt er also zum ersten Mal ins Regensburger Finale.

    In Runde zwei lies Tilman Birr wieder “Igor”, und Anatol trägt ein Stück Poesie vor, das Lange wieder daran erinnert, warum er in Anatols Texte verliebt ist. Unsterblich. Ko scheint es auch außerordentlich gut gefallen zu haben. Warum tritt der Mann so selten auf? Würde sich seine extreme Güte durch häufigere Aufritte abnutzen? Wird Lange ihn mal fragen… Auf jeden Fall kommt er am Mittwoch zum Landshuter Slam, da freut sich Lange schon sehr drauf!

    Finale also Lange, Birr und Anatol. Birr diesmal über Berlin, Anatol wieder sehr stark, und Lange erlaubt sich den Spaß, den experimentellen Text “Der Tag, an dem ich vollkommen unbemerkt im Comicuniversum aufwachte” zu entjungfern. Ein Text, der lediglich aus Klangbeschreibungen wie “Holterdipolter, Ächz, Stöhn, Keuch, ZappeldiZappel etc.” besteht. Funktioniert erstaunlich gut, ist aber noch ausbaufähig und wird auch noch ausgebaut werden. Wie üblich: Man darf gespannt sein. Dass Lange damit hinter den Doppelsieg Birr-Anatol treten muss, schmerzt nicht allzu sehr, da die Freude über das geglückte Experiment obsiegt.

    Die Nacht

    Im Wissen, um 5 Uhr morgens aufstehen zu müssen, da eine gewisse Frau um 7 Uhr morgens in München mit dem Nachtzug aus Köln (WDR-Slam) kommen wird, geht Lange um 12 Uhr schon Schlafen. Unwissend, dass er den einzigen Schlüssel zur Zwischentür zu den Schlafräumen der Mälze besitzt. Um 5 Uhr dann Weckerklingeln, Licht an – warum niemand außer Lange im Zimmer? Die ganze Story hierzu möge man bei Ko nachlesen.

    Als abschließendes Schmankerl noch das Poetry-Panorama von Regensburg (draufklicken):

    Morgen dann der Blog zur Kiezmeisterschaft vom Samstag, sogar mit den Mitschnitten der beiden Texte, die Lange dort zum Besten gegeben hat.

  • Heiner, 19 Okt 2007 /  Bilder, Lange Denkt, Reiseberichte

    Bahnstreik im Nahverkehr. Möglicherweise Behinderungen des Fernverkehrs. Darum: Einen Zug früher nehmen, dafür halbe Vorlesung (in der Lange einem Mitphysiker Gewalt androht) verpassen. Strecke Frankfurt-Köln ist noch länger auf 300 km/h als Ingolstadt-Nürnberg, das macht Lange Spaß.

    Leichte Verwirrung: Wie kommt man zur Halle-Lu-Ja-Halle? Die KVB-Auskunft hätte die richtige Lösung parat gehabt, Lange schlägt sich auf eigene Faust durch, kommt trotzdem zu früh. Egal. Eindruck: Watt ne Technik, boah! So viele Scheinwerfer, wuselnde Menschen und flimmernde Dinge. Lange will garnicht daran denken, dass das u.A. wegen ihm alles aufgebaut wird. Irgendwann trudeln dann auch die anderen Dichter ein, und wie das eben so ist: Mal wieder (fast) nur bekannte Gesichter. Beatrice aus Hamburg, die Lange in Tübingen getroffen hatte, erkennt er erst spät wieder. Was Frisuren und Brillen so alles ausmachen… Ansonsten in seiner Gruppe: 23, Heinrich, Buchwitz.

    Die Situation, in der Lange die Aufzeichnung der ersten der beiden Folgen des Abends sieht, ist sehr… sagen wir neuartig: Die Dichter der zweiten Folge sitzen gemeinsam im Backstage und schauen auf einen Fernseher, auf dem ein Rohschnitt des Geschehens läuft, der im selben Moment 20 Meter weiter in der eigentlichen Halle geschieht. Schräg. Aber sehr schöne Bilder von Publikumsreaktionen dabei. Lange findet: Die Schnittweise und Regie der Clips (so kann man das schon bezeichnen) ist gut gelungen, auch schon bei der ersten Staffel. Hektisch? Gewackel? Ja, aber man lebt ja schließlich in der MTV-verflimmerten Fernsehgeneration. Es wäre vermutlich reichlich öde, 3 Minuten nur die Frontansicht des jeweiligen Dichters zu zeigen – Lange selbst wird bei Poetry-Youtuberei immer schnell langweilig. Bei einem “normalen” Slam schweift der Blick des Zuschauers/hörers schließlich auch während des Vortrags umher.

    Zum Auftritt selbst: Lange versucht, Jörg Thadeuszens Frage bzgl seines T-Shirts möglichst schlagfertig mit einem vorgefertigten gereimten Sätzchen zu begegnen, was vermutlich ziemlich gekünstelt wirkt. Mal sehen, wie das in der Fernsehfassung dann aussieht. Lange wird prophylaktisch vor Scham die Augen verschließen, wenn er es sich ansieht… hehe. Und dann eben: “Mal”. Welchen Text hätte er auch sonst wählen sollen? Leider geht zum Schluss der Versuch, die letzten Sätze mit der einsetzende Musik zu verbinden, ein wenig schief, die Band wird zu schnell laut. Aber auch hier: Abwarten auf die fertige Tonmischung.

    Wer die jeweiligen Folgen gewonnen hat, wird hier fürs erste noch nicht verraten. Man muss ja doch ein wenig das Spannungsfeuer schüren.

    Nach der Aufzeichnung verstreut sich dann alles schlagartig. Buchwitz, Lange und Graef gehen noch Kölsch bzw. Bier trinken, danach muss Lange zum Bahnhof, um den Nachtzug nach München zu bekommen. Pustekuchen: Das Teil hat mal eben 45 Minuten Verspätung. Merkwürdig: Kommt aber bereits in Stuttgart um 4 Uhr morgens pünktlich an. Verdacht auf Zeitschinderei: Kann es sein, dass der Zug normalerweise einfach mal so eben 45 Minuten umhersteht? Wer weiß. Auf jeden Fall kommt Lange halbausgeschlafen wieder in München an, kommt locker in die Vorlesung, muss keinem Mitphysiker Gewalt androhen und geht jetzt erst gleich mal schlafen, bevor es heute Abend zum Slam nach Regensburg geht.

    Bildergalerie WDR-Poetry-Slam Aufzeichnung 18.10.07

  • Heiner, 15 Okt 2007 /  München

    Nach seinem Offene-Liste-Auftritt im Januar ist es für Lange das erste Mal überhaupt wieder im Substanz. Noch nichtmal zugesehen hatte er in der Zwischenzeit, weil von Landshut aus ein Sonntagabend in München doch ein wenig stressig ist. Aber das ist ja ab jetzt anders und Lange von nun an Stammgast im Substanz!

    Das Line-Up ist für Lange ungewohnt unbekannt, bis auf Richi Küttel und Team Schreibstoff. Tilman Birr, Severin Groebner, Jack McCarthy? Mal sehen. Jack McCarthy stellt sich als sehr sympathischer US-Oldie (but goldie) heraus. Sein bester Satz abseits der Bühne, als Rusche von Schreibstoff und Lange im Sitztanz zu HipHop abspacken: “I would have done much better if I had grown up in a time when it was’nt needed anymore to move your feet.” Bei seinem Bühnenteil als featured artist zeigt er der Leuten mal, was richtige Poesie ist, und das freut Lange, und seine Texte berühren. Wenn es nur mehr davon auf deutschen Slambühnen gäbe…

    Und dieser Satz geht auch gleich mal als Überleitung zum eigentlichen Slamgeschehen an diesem Abend durch: Comedy schlägt Poetry, abermals. Lange trägt “Bahnfahr’n” vor, den er ja eigentlich in Berlin im Finale bringen wollte, gewissermaßen als Ausgleich. Was er dabei nicht bedenkt: Das Publikum ist komplett verschieden, und eben auch das System. “Bahnfahr’n” hätte in Berlin dank Jurywertung besser funktioniert, “Wurst” dafür eher im lachfreudigen Substanz. Aber das war in beiden Fällen vorher klar und Lange hat kein Problem damit. Ob sich Lange allerdings das nun als Situationsmut oder Situationstorheit anrechnen soll, steht für ihn selbst nun zur Debatte. Ergebnis der Diskussion mit sich selbst: Jeder von Langes Slamtexten ist in der jeder Situation aus Prinzip immer passend und richtig. (*Schreibmodus wieder umschalten*).

    Severin Groebner aus Wien gewinnt also Vorrunde 1, Vorrunde 2 wird von Tilman Birr, der mit ansprechend aneinandergereihten ethnischen Vorurteilen die Meute zum Kochen bringt, angeführt. Schreibstoff mit dem inhaltlichen “Eine von Vier, Einer von Zehn” ebenso chancenlos. Im Finale dann Doppelsieg der beiden Herren in roten Hemden: Birr wiederum mit ansprechend aneinandergereihten ethnischen Vorurteilen (diesmal über Briten anstatt wie zuvor gegen Osteuropäer), Groebner dankbarerweise mit Lautgedichten (der Einfluss Jandls ist bei vielen österreichischen Dichtern zu spüren, das liebt Lange an Österreich) und Wiener Schmäh, was dem Münchner Publikum sehr gefällt.

    Es bleibt für Lange also in den nächsten Monaten zu beobachten, ob das Vorurteil des Comedyslams wirklich auch fürs Substanz gelten muss. Vielleicht einfach mal nächsten Monat in die Liste schmeißen, da sein wird er sowieso, wenn Sebastian 23, Nadja Schlüter und Renato Kaiser sich die Ehre im Line-Up geben.

    Ko deutet in seinem Blog eine Änderung des “System Substanz” an, bedingt durch die gähnend leere offene Liste. Man darf gespannt sein.

    Fotos gibts von Lange diesmal keine (Ko hat zwei in seinem Blog) , weil das Licht im Substanz in Kombination mit der Position des Dichtertisches einfach keine guten Schüsse zulässt. Vielleicht ein Andermal.

  • Heiner, 11 Okt 2007 /  Lange Denkt, Publicity

    Hihi, Lange (jetzt wieder umgeschaltet, die Ich-Form muss aufgrund von Ermüdung ausgewechselt werden) hat sich die letzten Tage ja ein wenig durch die mediale Nachbereitung des SLAM 2007 gearbeitet. Und ist dabei auf diesen Artikel gestoßen, in dem sogar ein Bild von ihm mit Bildunterschrift (daher auch die Überschrift, unter der Weltzeituhr hatte er nämlich den “Woche”-Text gebracht) drinsteckt, vom Running Mic. Das freut, das ehrt. Von den ganzen Anspielungen und Erwähnungen diverser Artikel auf seine Wurstperformance im Finale mal abgesehen. Ein guter Überblick über das mediale Echo ist übrigens, dank Frank Klötgens Arbeit, hier zu finden.

    Vom (Münchener) Bierkasten in die (Kölner) Großstadthektik: Nächste Woche findet die Aufzeichnung des WDR-Poetryslams in Köln statt. Lange ist (wie genau, weiß er selbst nicht) ziemlich last-minute ins Line-Up gekommen und muss sich jetzt noch schnell überlegen, welcher Text da wohl gut wäre. Kriterien, die es zu achten gilt: Textqualität (klar), Prosa oder Lyrik (bestimmt Letzteres) und eben Textinhalt (ein Text mit “Aussage” ja oder nein?). Zwei bestimmte Texte schweben ihm vor… Kurze Nachfrage: Bisher hat ja niemand gebloggt, er sei dabei (oder hat Lange es überlesen?). Ist es also sehr angeberisch, die WDR-Sache hier zu erwähnen, oder ist es unter dem ständigem Versuch, Bescheidenheit zu zeigen, durch den Anspruch auf berichterische Vollständigkeit hier im Blog gerechtfertigt? Die Frage ist nicht rhetorisch gestellt.

    Am Montag dann: Bericht zum Substanzslam am Sonntag. Das wird ein janz dolles Ding!

  • Heiner, 10 Okt 2007 /  Bilder, Reiseberichte, Slam 2007

    Zuerst: Die angekündigten Poetry Panoramen vom Running Mic am Alex, vorm roten Rathaus und am Ende der Admiralspalast (draufklicken):

    Fazit (?):

    Geil wars! Vielen Dank und Respekt an die Veranstalter des SLAM 2007 für den reibungsarmen Ablauf (von den Anlaufsschwierigkeiten kann ich mittlerweile absehen) – das war der perfekte Saisonabschluss! Ihr habt euch selbst übertroffen!

  • Heiner, 09 Okt 2007 /  Lange Denkt, Reiseberichte, Slam 2007

    Der gute Bumillo… wir zwei werden die poetische Elite für München werden! (Sofern wir es nicht eh schon sind, hehe). Wie gestern angekündigt, noch ein paar weitere Nachgedanken:

    Halbfinale 1

    SMAAT bekamen mit gnadenlos abgedrehter Comedy 48 Punkte, Lesedühne (Reichert, Kling, Martschinkowsky) trotz Text mit Inhalt und Performance mit mehr Takt nur 39. Beide gleichbewertet, das wäre für mich eher in Ordnung gewesen. Die Performance von Word Alert (Yamamoto, Telhaim, Dalibor) im HF war ihre Beste in Berlin. Unvergessen der Teil, in dem Telhaim summt, Dalibor sehr subtil beatboxt und Ken Yamamoto darüber spricht. Hat mich sehr an “His Blood’s In Me” von Eric Mingus erinnert. Dennis Seyfahrt (zum ersten Mal gesehen) hat mir ja garnicht getaugt. So eine affektierte Performance habe ich bisher noch nie auf einem Slam gesehen.

    Finale

    Rückblickend finde ich es sehr schade, dass ich mir das Finale nicht im Publikum sitzend anhören konnte. Der Grund: Der Sound hinter der Bühne war einfach nicht so gut, als dass man ohne Höranstrengung alles verstanden hätte. Oder ich war einfach viel zu aufgeregt, um mir die Texte der Anderen anhören zu können, vielleicht lag es daran. Beim letzten Text von Marc-Uwe Kling erkannte ich den gedanklichen Ursprung aus Brechts “700 Intellektuelle beten einen Öltank an”, aber kann mich an keine genaue Zeile mehr erinnern. Das ist sehr sehr schade. Von seinem ersten Text weiß ich nur noch, dass er 100 auswendige Werbeworte beinhaltete. Von Sebastian 23 habe ich nur ein “Schalimmer noch!” noch im Ohr. Von Paulines Text weiß ich nichts mehr, außer, dass er sehr gut war. In Strübings Text kam Liebe vor. Was hatte Micha Ebeling noch mal gelesen? Strauß? Kienzlers, Buchwitzens und Scharris Texte kannte ich. Aber warum weiß ich noch genau, dass sich Maik Martschinkowsky über guten Tee und schlimme Tomaten ereifert hat? Ich glaube, der Sound war gar nicht so schlecht, nur mein Kopf war nicht da, wo er fürs Zuhören hingehört hätte. Ich habe das Gefühl, trotz Teilnahme am Finale selbiges irgendwie verpasst zu haben. Aber den Anblick von 1700 Gesichtern, als ich auf die Bühne ging, den werde ich nie vergessen…

    Sehr merkwürdig war die Kameradichte hinter der Bühne. Schöne neue Leben-2.0-Welt: Alles muss dokumentiert werden, das Dokumentierte muss veröffentlicht werden, jeder muss das Veröffentlichte kommentieren dürfen. Der Blick hinter die Kulissen zerstört Selbige… und ich reiße auch noch kräftig Kulissen nieder, mit jedem Blogeintrag einen weiteren Fetzen… schändlich, schändlich. Und kann es mir dennoch nicht verkneifen, die absolut surrealste Szene des Backstagegeschehens publik zu machen: SMAAT machen im Hinterhof des Admiralpalastes Generalprobe. Strauß und ich mimen ungefragt das Zweierpublikum, aber das stört sie nicht. Das ZDF-Kamerateam (wurde da irgendwo was gesendet? ich habe ja keinen Fernseher mehr, und Internet daheim auch nicht) schleicht herum, versucht, die besten “backstage-like” Aufnahmen zu kriegen. Weder Kameramann noch Tonfrau schauen, wohin sie treten, und schlurfen in eine beinahe pissfrische Urinpfütze mitten im Hof. Bleiben kurz stehen, gute Perspektive von hier aus, ja, klasse, die Aufnahmen werden so cool, so authentisch, voll draufhalten. Ihre Sohlen hinterlassen für den nächsten Meter mattdunkle harnfeuchte Gehspuren im Staub. Wessen Urin das war, verrate ich nicht, nur, dass es nicht der Meinige war.

    Morgen dann: Drei frische Poetry-Panoramen aus Berlin (zwei vom Running Mic, eines vom Palast). Und vielleicht der Versuch eines abschließenden Fazits.