Nein, so weit soll es nicht kommen. Weniger Auftritte in nächster Zeit wegen Studium: Naja, leider. Die wenigen Auftritte dann auch noch unbebloggt lassen: Das würde sich wahrlich nicht gehören. Lange sieht sich da ja auch irgendwie in der Verantwortung – in welcher auch immer. Hauptsache Verantwortung. Ist er doch innerhalb sehr kurzer Zeit vom vagabundierenden schmarotzenden Dichter zum Exil-Landshuter (die Großstadt macht Lange schrecklich arrogant, darunter leidet er selbst), Studenten (Physik? Wie kann man nur Physik studieren?), Behördengangsprofi (Bürgerbüro, Stadtwerke, Versicherungen, Finanzamt, div. andere), Experte für die Erkenntnis, dass Telefonfirmen Arschlöcher sind (auch wenn man Telefonfirmen schwerlich als “Arschlöcher” bezeichnen kann – wenn sie keine wären, hätte Lange nach mittlerweile 6 Wochen Wartezeit endlich Internet daheim) und zum Lampenmontagekönner (die Anleitung sagte, ein Elektrofachmann soll das machen, aber Lange und sein Phasenprüfschraubenzieher konnten das auch ganz gut) geworden. Welch Wurm. Fort, Satz, Fort! Was hatte das jetzt mit “Verantwortung” zu tun? Mehr Jandl, bitte. Hiermit wäre die Überleitung zum Auftritt am Freitag in Österreich geschafft, ein kurzer Synapsenapplaus sei angebracht.
Innsbruck
Langes zweiter Besuch im Innsbrucker Bierstindl, diesmal unter weniger widrigen Umständen: Kein Fahrrad dabei, man fährt ja Bahn und sammelt Bahncardbahnfahrboni, obwohl man gegen Letzteres selber hetzt. Konsequenz? Ist gerade auf dem Lokus, kommt gleich wieder. Ungewohnter Blogschreibstil? Die Lektüre von Markus Köhles “Brahmskoller” zeigt Spu. Renn mir nicht davon, Satzbau, klar! Wo. Stehengeblieben? Weiter.
Fragmente des Abends: Lange kommt relativ knapp ins 6er-Finale, belegt dort allerdings dann den zweiten Platz, hinter Stefan Abermann, von dem Lange endlich neue Texte hören darf. Letzterer Kommentar ist eigentlich ziemlich unnötig, aber irgendwie hat sich zwischen Lange und Abermann ein gewisser Running-Gag etabliert, Abermann möge doch bitte möglichst viele unterschiedliche Texte lesen, wenn Lange zuhört. Aber ist ja auch ne nette Sache, und seine neuen Texte, besonders seine Variation des eigentlich allzu bekannten “Text-Textes” ist im Abgang erstaunlich erfrischend. “Die orale Erotik des Konsums” (Langes Finaltext) funktioniert mit oralen Spielereien am Mikrofon dann doch ein wenig besser, in Innsbruck gibt es aber keines. Das ist einerseits schön, weil man mit seinem naturgewachsenen Organ angeben kann und das Publikum bei leiseren Dichtern angenehmerweise zu konzentrierterem Hören genötigt ist, andererseits schränkt es die Performance ein wenig ein. Aber sollte die einzige Berichterstattung über Innsbruck sein, dass es kein Mikrofon gibt? Nein. So sollte Lange noch mindestens zwei Dichter des Abends weiter erwähnen: Boscht, der Nieder-Oberbayer-Tiroler, der beinahe nur aufgrund seiner kabarettistischen 4-Minutenansage ins Finale kommt (der eigentliche Text belegte vielleicht 30 Sekunden) und der sympathische Innsbrucker Kauz “Güle G. Lerch”, der die Genderproblematik mit einem “Na, where is he then?” und “Na, where is she then?” wunderbar illustriert. Für den Blogleser unverständlich? Möglich. Aber wer aus der hier lesenden Dichterriege mehr herausfinden will, möge sich nach Innsbruck bewegen: Es lohnt ungemein, und Lange hat sich sehr gefreut, wieder dort auf der Bühne gestanden haben zu dürfen!
Randbemerkung zum Schluss, 1: Der Preis für seinen zweiten Platz, anlässlich des Nationalfeiertags “Tag der Fahne” in Österreich: Eine Medaille des 1976er “Fit-Lauf und Marsch”, die mittlerweile in Langes Zimmer hängt.
Randbemerkung zum Schluss, 2: Regionalzüge, die oft halten, profitieren sehr von einer hohen Beschleunigungskraft – der Beweis liegt irgendwo zwischen Sumatra und physikalischen Bewegungsgleichungen. Wenn die DB-Regio Bayern anstatt der Kombination Lok+Klapperwägen so schlau wäre wie die ÖBB und auf der Strecke Landshut-München im Regionalbahnbetrieb Triebzüge mit hoher Beschleunigung einsetzen würde, wäre ein Großteil der Verspätungen hinfort. Österreich also wieder mal an der Spitze, Deutschland, Bahn, setzen, 5 minus.







