Augen auf. Schildkröte. Augen zu. Augen auf. Schildkröte. Finger zu Schildkröte, geschützt durch Glas. Schildi schnappt und läuft gegen Scheibe. Doofes Schildi. Michl muss früh weg, Lange fährt mit Monika, leiderdochnichttaschen-Frank und Ditar zu deren Freunden, wo es Frühstück gibt und Wehwalt übernachtet hat. Lange wird von Ditar zum Grafinger Bahnhof gefahren, dann geht’s weiter über München nach Stuttgart. Im IC hat Lange die fixe Idee, trotz eigentlichen Nichtrauchertums ins Raucherabteil zu gehen, Kippen zu schnorren und ein wenig rauchzukringeln und zu paffen, solange es noch nicht verboten ist. Metallhund macht mit.
In Stuttgart angekommen wird Lange von Thomas Geyer, dem Verlagsleiter der Sprechstation (tolle CDs, gleich mal durchschauen!) abgeholt und fährt zusammen mit Philipp Scharrenberg, Nils Heinrich und Freundin zum Abschiedsslam der Sprechstation nach Konstanz. Philipp wirft die Information in den Raum, dass heute der Internationale Tag gegen Homophobie ist, was sich durchaus bestätigt: Die MS Baden ist rosa befähnelt, und beim nachmittäglichen Kaffeetrinken werden Thomas, Philipp und Lange von der weiblichen Bedienung unfreundlich behandelt, weil vermutlich im komplementären Sinne heute auch der Tag der Heterophobie ist. Auf der Toilette prangt ein Aufkleber des Fitnessstudios “Verschweisst” für Lesben und Schwule eV. Mit grinsendem verschwitztem nacktem-Oberkörper-Mann darauf. Immer wieder erstaunlich, wie ausschließlich das öffentliche Klischee der Homosexualität sich auf Männer mit nacktem Sixpack beschränkt. Gibt es derartige Lesbensymbole?
So langsam trudelt dann die gesamte Dichtermeute (Lineup auf www.sprechstation.de) aufs ausverkaufte Slamschiff MS Baden, rappelvoll mit gut gelaunten Menschen. Lange ist in der 10er-Vorrunde auf dem von Thomas moderierten Oberdeck (unten moderiert Toby Hoffmann), bekommt also von unten fast nichts mit. Ein wenig Bericht von oben, sofern noch in Langes Kopf: Renato Kaiser eröffnet mit klassischer Geschlechterbeziehungsproblemlyrik und bekommt (für ihn) magere 21 von 30 Punkten. Nils Heinrich lässt den Boden beben, Nicolai Eckerlein beschimpft das Publikum als Fotzen, Julius Fischer findet Nudeln in der Kaltschale, Nadja Schlüter ist fasziniert von Theater, Tobi Heyel liest einen provokant harten Text gegen Kindesunterdrückung und -missbrauch und Lange hat den Freitagskleinstadtblues. Dumm nur, dass dieser Text zu 65% aus Performance besteht und 4/5 des Publikum nur hört, nicht sieht. Ebenso die Jury. Lange bekommt 21 Punkte, was die vorderen Reihen nicht so toll finden, und ist raus. Naja, 5er-Serie kommt ein andermal. Im Oberdeckfinale lässt Nils Heinrich es nochmal gegen Nadja Schlüter und Matze B kräftig krachen und gewinnt, unten (Lange hüpft) gewinnt Ken Yamamoto mit einem herausragenden “Jailhouse Blues” gegen Gabriel Vetter und Ato Meiler. Dieser Ken… eigentlich schon eine Klasse für sich. Hat Lange beim National in der Vorrunde platt gemacht und dann im Volkstheater fast den ganzen Saal (bis auf die Jury, manch einer erinnert sich) geplättet. Und schert sich offenkundig nicht um das “Gaudidiktat” (zitat Storz), das beim Poetry Slam sonst herrscht. Folglich trägt er beim Finalstechen auf dem Oberdeck gegen Nils Heinrich kein eigenes Gedicht vor (Begründung: Er hat kein Neues auswendig gelernt!), sondern covert Charles Bukowski, lässt sich damit freiwillig disqualifizieren, hat aber trotzdem noch einen starken Abgang.
Der Rest des Abends ist vernebelt. Lange steht zeitweise mit Scharrenberg, Eckerlein und einem Konstanzer Anzugmann im Unterdeck und redet assoziativen Schwachsinn (Bonn! vonbonn, imbus imbiss inbonn. deinemudda.), irgendwann verabschiedet sich die gesamte Poetenmeute voneinander, ein Großteil fährt rüber in die Schweiz zum Haus der Dichterkolonie in Kreuzlingen (WG u.A. von Gabriel Vetter, Matze B und früher Thomas Geyer) und lässt dort den Abend ausklingen. Am Morgen danach fährt Lange mit Thomas nach Stuttgart zurück (scheiß Zugbindung, Stress) und pennt im leeren IC weiter. Auf der Fahrt von München nach Landshut trifft er noch Bumillo im Zug, der auf dem Weg zum Regensburger Slam ist. Bumillo kommt aus München und müsste unter langeschem Verfolgungswahn leiden: München, Regensburg, Passau – egal, wo er ist, Lange ist schon vor ihm da… und selbst bei Slams, die Lange ausnahmsweise mal auslässt, klebt er an Bumillo…
Fazit: Krasser Abend in Konstanz, ein fulminanter Abschied der Sprechstation aus Konstanz! Und noch eine Gossip-Nebeninfo für alle Szene-Internen: Thomas wird nach der Sommerpause den Rosenau-Slam von Timo Brunke übernehmen. In Konstanz hat sich allerdings bisher noch kein richtiger Nachfolger gefunden.
Bildergalerie Konstanz 17.05.07
