Als wir im Juli in der Mensa in Passau mit PauL auftraten, gab man uns den heißen Tipp, uns doch beim Scharfrichterbeil zu bewerben. Ein Kabarettpreis. Hui? Wir machten das. Und bekamen dann nach dem Düsseldorfer Wochenende den Anruf: Wir sind dabei. Als einer der 6 Acts aus ca 90 Bewerbungen. Krass.

Drei Flüsseeck, drei PauLs, zwei im Bild.
Der Abend
6 Bewerber. Nachmittags im Backstage kommt es zu lustigen Unterhaltungen. “Also, da spielen wir ja quasi gegeneinander, das ist doch sehr merkwürdig!” – PauL feixt. Die Veranstaltung beginnt ordentlich unpünktlich, aber das ist man ja gewohnt. Blöd nur: PauL sind als Letzte dran. Ob da die Leute noch zuhören können, den Umstand bedenkend, dass wir vermutlich dreimal mehr Wörter pro Zeit raushauen als die anderen Auftretenden?

Backstage. Künstler.
Eine Einschätzung des Publikums ist während des Warten auch nicht wirklich möglich, da der Raum zu klein ist, um zusehen zu können. Allein durch das Fenster zur Straße kann man einen Blick erhaschen und durch ein Loch zwischen Fenster und Putz auch mal ein Wort aufschnappen.

Blick durchs Fenster. Andres bleib nicht übrig.
So beobachtete ich zum Beispiel Axel Pätz aus Hamburg. Der eröffnete und war, optisch, stark. Auch beobachtete ich Ulan & Bator. Die zwei, die gehen durch die Decke. Backstage bereits zwei äußerst erstaunliche Kerle, sind sie auf der Bühne nicht zu halten. Krass.
Irgendwann durfte dann PauL dran. Der Abschiedsapplaus für den Bewerber vor uns war, durch die sich öffnende Tür hörend, nicht allzu euphorisch. Und dann wir auf der Bühne. Mit unserem Zeug. Mit Wortsalven und Reimkaskaden, und das alles für ein Publikum, das um halb zwölf (nach 5 Auftritten) eh schon recht erschöpft war und zudem vermutlich keine Ahnung hatte, wie es uns einordnen sollte. Und was soll ich sagen… wir haben gekämpft. Wortfaust gegen Betonmauer. Hier und da ein kleines Bröckelchen herausgehauen, gelegentlich mal kurz ein Staubwölkchen, aber ein Riss in der Mauer war nicht zu erahnen. Man kann und darf es so sagen: So wenig direkte Publikumsresonanz hatten wir noch nie, nirgendwo.
Die Szene, wie wir danach zu dritt im Hintergewölbe mit unserem Weißbier saßen und uns Weißbier trinkend der Ernüchterung hingaben, werde ich so schnell nicht vergessen.
Preisverleihung: Nein, da war alle Hoffnung bereits weg. Die Möglichkeit, dass uns die Jury vielleicht doch noch auf Platz drei heben könnte, bestand zwar diffus, war aber nicht zu erhoffen. Naja, und dann standen alle auf der Bühne und Ludwig Müller ließ für drei Leute klatschen, die nach diesem Applaus kein Beil bekamen. HÄ? PauL ein Beil? JA! Tatsächlich. PauL holte sich den dritten Platz beim Passauer Scharfrichterbeil! Der zweite Platz ging an Maxi Schafroth, der erste, höchstverdient, an Ulan & Bator.
Krass. Selten habe ich mir so die Augen gerieben. Der Abstand zwischen unmittelbarer Publikumsreaktion und Juryentscheidung hätte größer fast nicht sein können. Und für uns, die wir IMMER für das Publikum arbeiten, war das sehr verwirrend. Ein Jurymitglied ging danach noch auf uns zu und erläuterte uns die Entscheidung. Und diese Erläuterung, die hat ganz schön aufgebaut. Huiuiui. Richtig wahrgenommen haben wir das dann auch erst am Morgen danach.
(Nachtrag: Das sagt der bayerische Rundfunk.)
(Nachtrag 2: Hier gibts Bilder)

PauL, mit Scharfrichterbeilchen.