Bumillo bloggt:
Jo Heiner, dann lös ich dich mal ab. Gut gefrühstückt, frisch geduscht, fühl mich gut. Gut heißt in dem Fall: konzentriert und voller Vorfreude. Fokus-Versuche. Es gilt soviele Eindrücke zu verarbeiten. Die Slams, die Leute und insbesondere meine Vorrunde waren halt echt der Hammer.
Flashback Mittwoch, 3.10., Vorrunde 6
Björn und Heiner weiter – das pusht mich extrem. Freue mich auf die “Brünette”. Ziehe Startposition drei. 3. “Oh Shit, fast zu weit vorne!” Dann erinnere ich mich: bei meinem Substanzsieg im Juni war ich auch dritter Starter. Also gutes Omen. Gutes Omen. Bin heiß! Sage zu Buchwitz: “Wir müssen den Laden zerlegen, wir 12 miteinander!” Gehe raus auf die Bühne. Vor mir zwei niederige Gesamtwertungen. Die Scheinwerfer blenden, ich sehe das Publikum nicht, kann mir also auch keine Brünette rauspicken. Egal. Voll ins Schwarze performt. Brennen. 5 Minuten brennen, alles abfackeln, spüre jeden einzelnen Zuschauer, ersticke jeden Funken Szenenapplaus so schnell und behutsam wies geht, um mit der Zeit hinzukommen. Komme perfekt hin. Bin elektrisiert, boxe mir nach Beendigung des Textes auf die Brust, werfe energische Handküsse in die tobende schwarze Menge. All right. That’s it. Backstage, Markus Freise: “Das sind sie, die Senkrechtstarter.” Bekomme 4 x 10 und 3 x 9, macht 48 Punkte. Hm. Daumen hoch. Aber ein Slam dauert 12 Poeten. Einer davon: mein Held und Performance-Vorbild Harry Kienzler. Schaut euch seine Videos auf youtube an, dann versteht ihr, was ich meine. Er bringt den “Angst”-Text und bombt ein: 6x 10, 1x 9, macht 50 Punkte, die Höchstpunktzahl! Bang! Dann sofort Volker Strübing. Der nächste auf dem Weg zur 50. Bekomme kein Wort von seinem Text mit, mir sitzt “die Angst vor Panikattacken im Nacken”, habe Schiss, mit 48 Punkten auszuscheiden. Volker bekommt 47 Punkte. Boah. 48 – 50 – 47. Einstürzende Wolkenkratzer, explodierende Ozeane, was für ein Kugelhagel. So was hab ich bei einem Slam noch nicht erlebt. Und dann kommt auch noch Renato. Hatte schon einige Abschnitte des Tages mit ihm verbracht, und es tat mir in der Seele weh, dass er nur 38 Punkte bekam, und letzten Endes nicht weiterkam.
Freute mich über meinen Halbfinaleinzug wie gewohnt nach innen. Keine kribbelnden Glücksgefühle im Bauch, mehr innere Zufriedenheit mixed with a little bit of Stolz and happiness. N Bierchen gönn ich mir, ansonsten will ich alles unverfälscht aufsaugen: die vielen geilen Leute, die Inspiration, the fun, the love and the madness.
Ausblick
Heute Abend, 21.30 Berliner Ortszeit Halbfinale II im Festsaal Kreuzberg. Wieder mit Harry Kienzler (war uns beiden klar). Und mit Julius Fischer. Die beiden waren und sind meine Topfavoriten aufs Stechen im großen Finale, das wird ganz schwer gegen die beiden, da werde ich mich punktemäßig im Verhältnis zur Vorrunde noch steigern müssen, um da dagegenzuhalten. Unglücklich, das mit Björn und Grög zwei weitere Münchner in diesem Halbfinale ihre Visitenkarte abgeben müssen. Zwei weitere starke Slammer aus dem Süden sind mit Scharri und Critter vertreten. Mit michaEbeling und Tillman Birr sind auch zwei starke Berliner Lesebühneautoren mit am Start – unangenehem und unberechenbar als Gegner, zünden die wohl lustigen Texte, wirds gegen die beiden ebenfalls hammerhart. Die zwei Schweizer Vertreter vermag ich nicht einzuschätzen. Gegen Sebastian 23 antreten zu dürfen freut mich riesig, hatten wir die letzten Tage doch den ein oder anderen sehr angenehemn Plausch, und nun kann ich ihm (und seinen Smaat-Kollegen und dem Rest der slamily) endlich zeigen, was auf meiner Slam-Pfanne so drauf ist (Sebastian dürfte im Vergleich zu mir wohl über einen Slam-Wok verfügen – angereichert mit seltenen und wertvollen Gewürzen, evtl. auch mit extra Teflon-Schutz). Eine Finalgarantie hat jedoch niemand. (Auf Harry und Julius würde ich jedoch sehr sehr viel Geld und Woks setzen …)
Um einen vorzeitigen Überbloggungstod zu vermeiden werde ich gleich durch die Stadt streichen, in Cafés lésén und mich auf mich und meinen Halbfinaltext konzentrieren – alles andere kann ich eh nicht beeinflussen. Fokusversuche.
Achja: ich würde mir wünschen, dass ein Poet den slam2007 gewinnt. Ein Poet. Mit frei vorgetragenen Reimen und Poesie und so. Davon gibts – leider auch hier bei diesen Meisterschaften – einfach viel zu wenige. Werde deshalb meinen Halbfinaltext auch allen Freunden der Poesie und allen Freunden des Reims widmen – und allen LIFEaholics (von denen ich viele in den letzten Tagen kennengelernt habe).