Hm… Lange hatte ja ursprünglich geplant, keine Texte von sich im Blog zu veröffentlichen, höchstens Mitschnitte (Stichwort: Synästhesie). Aber da die Woche nun wirklich nichts Slam-relevantes passieren wird, gibts nun ein paar Gedanken, Notizen, und ein kleines Gedicht.
Gedanken zum Reimen
Lange bereitet sich gerade mit spezifischer Literatur auf seine zukünftigen Workshops vor. Darunter auch ein Buch, das sich auf den Schild geschrieben hat, den produktiven Umgang mit Lyrik zu lehren, zuerst erschienen 1988, überarbeitet 1998. Die Übungen, die darin vorgeschlagen werden, sind für literarische Gruppenarbeiten sehr gut geeignet – was den Lange aber etwas irritiert, ist die Tatsache, dass die Spoken-Word-Kultur respektive Poetry Slam mit keinem Wort erwähnt wird. Vielmehr vertritt der Autor die These, dass Lyrik nur noch sehr selten gehört werde, viel öfter gelesen, und dass man bei der Produktion “zeitgemäßer Lyrik” auf Rhythmen und Reime verzichten könne bzw. solle. Der freie Vers sei mehr oder weniger das Maß aller Dinge, Reime seien eigentlich nur noch im Volkstümlichen und vielleicht auf Familienfeiern angebracht. Vielleicht liegt das daran, dass das Buch schon 9 Jahre alt ist. Irgendwie scheint Langes Zeitdifferenzrechnungsuhr mit dem Millenniumswechsel stehen geblieben zu sein: Immer wieder ertappt er sich, wenn Jahreszahlen aus den 1990ern genannt werden, bei dem Gedanken “Och, gar nicht so lang her.” Aber hallo! 6 Jahre und fast 9 Monate ist das her! Mensch Lange, damals warst du gerade erst 13, als das neue Jahrtausend eingebrochen ist!
Aber zurück zum Thema: Könnte man behaupten, dass Spoken Word die lyrischen Fortschritte (die zum großen Teil aus Reduktion bestehen) der letzten 100 Jahre komplett ignoriert? Lange glaubt: Nein. Natürlich spielt man als Bühnenpoet auf Poetry Slams mit der Erwartung “Wie Goethe und Schiller, nur moderner” des Publikums, dem die lyrische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ziemlich egal sein dürfte. Lange könnte sich auch selbst kaum erinnern, im Deutschunterricht aktuelle Literatur behandelt zu haben. Irgendwie war da der Expressionismus in der Lyrik das letzte Kapitel vor dem Abitur. Vielleicht zwischendurch ein wenig gejandlt, möglich, aber der Schwerpunkt lag klar auf dem 19. Jahrhundert mit seiner schlonzigen Romantik, seinem kuschelgefangenen Biedermeier und seinem (bis auf den durchaus subtilen Heine) posauneristischen Vormärz. Erich Fried? Robert Gernhardt? Fehlanzeige. Vielleicht weil Gernhardt auch gereimt hat?
[Anmerkung: Irgendwie geht hier gerade vollkommen der Faden verloren. Die Überleitung mit Gernhardt+Reim ist auch nicht gerade stark. Welche Einstellung hatte Gernhardt eigentlich zum Poetry Slam? Sonntagvormittagsstreamofconsciousnessbloggen ist merkwürdig.]
Wie auch immer. Jedenfalls ist der Reim für Lange noch lange nicht tot. Das war eigentlich alles, was er sagen wollte: Wenn man Gedichte anhört, gibt der Reim dem Ohr einen anständigen Zusammenhalt, solange man sich nicht gezwungen beim Reimen auffrisst. Außer Ken Yamamoto (der am 29.09. in München auftritt, was sich Lange nicht entgehen lassen wird) steht auf der Bühne, der kann das auch sehr gut ohne… (Hörtipp hierzu: Wehwalt Koslovsky – der Idiot)
[Hat Lange damit jetzt die Kurve zu einer schlüssigen Argumentation gekriegt. Vermutlich nicht...]
Hörtipp
Eric Mingus – Um… er… Uh: Spoken Word in Kombination mit klasse Jazz. Hört Lange auf Dauerrotation, seit Rayl das in seinem Blog empfohlen hat.
Gedicht
Da schmeißt sich der Lange nun schon für den Reim in die Bresche, und dann kommt ganz unvermittelt ein ganz zeitgemäßes, zynisches Gedicht ganz ohne Reim, noch nicht einmal mit ganzen Sätzen. Lange wird vermutlich demnächst verrückt.
Der Schlag
Streit
Stammzellen
Forschung
Streit
Kleriker Schlag Forscher Gesicht
Grund Forscher Vorschlag:
“”"
Def.:
Taufbecken = Petrischale
Nährlösung = Taufwasser
Folge:
Stammzelle = Christ
Christ = Seele
Seele: Himmel
“”"